SY "DIVA"
SY "DIVA"

DIE BRETAGNE - Camaret-sur-Mer bis Hamburg

DIENSTAG, 1. August 2017  (Camaret-sur-Mer – Brest: 8 sm)

 

Es ist Gegend-Erkundungswetter: blauer Himmel mit kleinen Wolken, moderater Wind, 21 Grad. Der Hafen ist fast leer. Gestern, bis spät in die Nacht, suchten Segler nach einem Liegeplatz, doch heute Morgen, bevor die Hafenmeister ihre Tour beginnen, hatte der eine oder die andere bereits wieder abgelegt. Mit meinen Marktutensilien am Arm laufe ich ins Dorf. Auf dem kleinen Kunst-Marktplatz soll heute ein richtiger Markt stattfinden. Diese enttäuschende Marktgestaltung erinnert mich an den Hamburger Fischmarkt. Nur Trödel-, Kitsch- und Nippesstände. Im hinteren Teil des Marktes bekomme ich Gemüse und Salat, allerdings nicht in gewohnter Qualität und Vielfalt. Viele Urlauber, meist Franzosen, stehen plaudernd, in Gruppen, den Marktgang störend, beisammen. Zahlreiche Kinder fallen mir auf. Eine Familie mit 3 bis 5 nett anzusehenden Kindern ist keine Seltenheit. 4 Zwillingskinderwagen zähle ich, alle bestückt mit Kleinkindern und nicht mit Markteinkäufen. Kurz nach zwölf legen wir ab, unser Ziel ist Brest, lediglich 8 Seemeilen entfernt. Eine Bucht reiht sich hier an die nächste, jede ist wunderschön. Steile Küsten, kleine Wälder, dazwischen Sandstrände, Kirchtürme zeigen wo Dörfer sind, auch wenn man sie vom Wasser aus nicht sieht. Die Bucht von Brest liegt ausladend vor uns. Rechts und links sieht es hübsch aus, wie eben beschrieben, Brest selbst lädt das Auge nicht ein zu verweilen. Festungsanlagen, Industriegelände, fantasielose Häuser fallen als erstes in den Blick. Brest wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig von den Alliierten zerbombt, wie ein zynischer Scherz der Geschichte blieben die U-Boot-Bunker, welche die Nazis erbaut hatten, fast unversehrt, diese sieht man links, wenn man in den Hafen einfährt. Wir finden einen angenehmen Platz an einem Ausleger, Strom und Wasser gleich an Divas Bug. Morgen soll es mit bis zu 8 Windstärken wehen, da wollen wir einen Besichtigungstag in Brest einlegen. Mit der Straßenbahn wollen wir fahren, auch mit den Stadtbussen, die Seilbahn wollen wir benutzen, und das Ozeanopolis wollen wir uns anschauen. Auf dem Weg zum Schiff kaufe ich Langustinen, diese gibt es mit Cocktailsauce und einem reichhaltigen Salat zum Abendessen.

Unser Diva-Steinmännchen

MITTWOCH, 2. August 2017   (Hafentag in Brest)

 

Hat das heute Nacht geschüttet! Und die versprochenen Windstärken waren auch da, vielleicht nicht gleich alle 7, aber so nach und nach kommen sie doch alle. Gegenüber am Steg liegt eine riesige Jacht aus Holland. In diesem Sturm und Regen macht sich die Crew klar zum Ablegen, die Crew besteht, wie bei uns, aus 2 Personen. Olaf und ich balgen uns mit unseren Kaffeetassen in der Hand, um den besten Platz im Niedergang, um das Auslaufmanöver der Holländer zu begutachten und zu beurteilen. Es dauert und dauert. Schließlich packen die Schlappschwänze ihr Steuerrad wieder ein, ein weiterer Hafentag wurde wohl beschlossen. Wir frühstücken ausgiebig, reichlich und mit viel Zeit. Es regnet, es stürmt mit 7 Beaufort, und das im geschützten Hafen. Das Ausflugsprogramm, auf das wir uns freuten, wird storniert, wir sitzen unter Deck, gemütlich trommelt der Regen auf das Dach, wir lesen und spielen. Leider fehlt mir zur völligen Entspannung der nötige Rotwein. Ich warte eine Regenpause ab und laufe schnellen Schrittes auf das Oberland, die Rue de Siam entlang zum Carrefour-Supermarkt. Bepackt mit rotem Wein und dem fehlenden Gemüse für das Abendessen komme ich durch den kleinen Park, der an der Treppe hinunter zum Hafen liegt. Die Beete in diesem Park sind neben bunten Blumen auch mit Mangold bepflanzt. Da bei diesem Wetter keine Zuschauer zu befürchten sind, ernte ich eine Tasche voll von diesem Blattgemüse. Zurück an Bord sieht Olaf die verräterischen Blätter aus der Tasche gucken und ist erschreckt: „Du hast doch nicht etwa?“ „Doch! Habe ich!“ Olaf haßt Mangold. Als wir vor Jahren noch Gartenbau auf unserem kleinen Grundstück betrieben, hatte ich ein Jahr sehr viel Glück mit Mangold, also gab es dieses Gemüse jeden Tag, zwar immer anders, aber es war und blieb eben Mangold. Vorher mochte Olaf dieses Blattwerk nicht besonders, aber seitdem verabscheut er es. „Ich habe mich so auf Gurkenaabern gefreut!“ Ein traurigeres Gesicht kann selbst unsere Enkeltochter nicht machen, wenn sie etwas nicht bekommt. Also mache ich Gurkenaabern und werde den Mangold anderweitig verarbeiten.

 

Gurkenaabern ist ein lauwarmer Kartoffelsalat mit frischer Salatgurke. Angeblich hat dieses Rezept meine Tante Ida erfunden.

DONNERSTAG, 3. August 2017  (Brest – Camaret-sur-Mer: 13 sm)

 

Wir rufen uns nochmal die Satellitenbilder auf. Ein Tiefdruckgebiet jagt das nächste, mit winzigen Verschnaufpausen, die Ausläufer fegen über die nördliche Bretagne hinweg. Eine Besserung wird es in naher Zukunft nicht geben. Wir sagen der nördlichen Bretagne vorerst „Adieu“ und beschließen, wieder in den Süden zu segeln. Der Golf von Morbihan lockt und vielleicht kommen wir bis La Rochelle.

Sollte jetzt ein aufmerksamer Leser darüber stolpern, daß zwischen Camaret und Brest 8 sm liegen, dagegen zwischen Brest und Camaret 13 sm, so liegt es daran, daß wir kreuzen müssen. Heute ist das Wetter wieder angenehm, kein Badewetter, es ist leicht bewölkt, kein Regen, es weht ein frischer Wind, das Segeln ist herrlich. Kurz nach eins machen wir im Hafen von Camaret fest. Wir gehen ein bißchen spazieren, kaufen etwas ein, ansonsten nix besonderes.

Camaret-sur-Mer

FREITAG, 4. August 2017  (Camaret-sur-Mer – Mooringfeld vor Audierne oder St. Evette: 31 sm)

 

Wir knuspern unser kerngesundes Müesli im Cockpit, da sehen wir diese große, deutsche Hallberg-Rassy gegenüber liegen. Bereits in Brest wuschen die ausgiebig ihr Schiff, von außen!! Also die Außenhaut, und den Rest natürlich auch. Danach hatte es ja hinreichend geregnet. Jetzt sind die schon wieder dabei, ihren Dampfer überall zu duschen. Wir laufen aus. Es ist ein trüber Morgen, die Konturen der pastellfarbenen Häuser um das Hafenrund verschwimmen. Die schroffen Felsen erscheinen wie durch eine 3-D-Brille. Es ist zum Verzweifeln mit dieser Segelei! Entweder ist zu viel Wind, oder es ist zu wenig Wind, oder der Wind kommt aus der falschen Richtung. Heute haben wir zu wenig Wind und auch aus der falschen Richtung, der Motor muß ran. Als wir um das gefürchtete Raz de Sein herum sind, wird die Windsituation nicht besser. Einige Segler versuchen es trotzdem mit dem Blister, aber bei denen hängt das Ding wie nasses Handtuch auf der Leine, also lassen wir unseren in der Vorpiek. Gegen halb fünf steuern wir den Hafen von Audierne an. Ein kleines Motorboot mit Hafenpersonal kommt uns entgegen und teilt uns mit, der Hafen sei voll. Na, das ist doch mal eine freudige Überraschung! Vor Audierne ist ein Mooringfeld, eine freie Tonne können wir greifen, das geht mit unserem praktischen Haken schnell, sicher, professionell. Jetzt sind wir eigentlich sehr froh, wir liegen ruhig, nette Schiffscrews rundherum, sehr interessante Mooring-faß-Manöver dürfen wir beobachten. Eine bemitleidenswerte Crew versucht es mit genau dem gleichen Haken, den wir auch mal hatten, es war eine Dreingabe von den Voreignern der Diva. Fünfmal schwimmt die Mooringtonne vorbei, bevor es zu einem frustrierenden sechsten Mal kommt hat der freundliche Nachbar ein Erbarmen und hilft mit seinem Schlauchboot. Unser Gummiboot liegt noch originalverpackt im Vorschiff. Neben uns liegt ein englisches Ehepaar auf Anker, vorschriftsmäßig mit schwarzem Ball gekennzeichnet, die einzigen mit Ankerzeichen, übrigens. Die beiden sind nicht mehr blutjung, so etwa mein Alter, schätze ich. Sie haben ein gar zauberhaftes Schiff, einen Schoner im Kleinstformat. Das Beiboot ist auch reizend, kleiner als ein Opti, mit ebensolcher Besegelung. Mit diesem Bootchen segeln sie flink und geschickt durch die angeleinten Schiffe. Ein schöner Abend, Hafenkino vom Feinsten.

SONNABEND, 5. August 2017  (St.Evette – Iles de Glénan: 34 sm)

 

Schon zur Frühstückszeit erheitern mich die Engländer! Jeweils mit einem Schlußsprung springen sie von ihrem Schoner ins Wasser. Das ist sportlich, die Wassertemperatur beträgt 14 Grad. Der entzückende, niedlich deutsch sprechende Hafenmeister motort zu uns, wir geben ihm unseren Abfallbeutel mit, den wollen wir nicht auf den Glénans entsorgen. Der Wind weht mit 4 bis 5 Beaufort, Backstagbries, eigentlich ein idealer Blisterwind, aber eine fiese Welle läßt Diva Rock’nRoll tanzen, da wäre der Blister hinderlich. Die Sonne scheint, vereinzelt verdecken Wattewolken ihren Glanz, die Küste liegt in leichtem Dunst. Am Nachmittag können wir den Archipel der Glenans ausmachen. Durch kleine Felseninseln manövrieren wir, in einer geschützten Bucht, umgeben von sandigen und teils felsigen Inseln, finden wir einen Ankerplatz. Abends im Cockpit spielen wir Schach. REMIS! Ich mache mich. Eine sanfte Dünung hebt und senkt Diva und schaukelt mich in einen tiefen Schlaf.

Iles de Glénan - fast wie Karibik

SONNTAG, 6. August 2017  (Vor Anker  -Iles de Glénan)

 

Es gebricht uns an Naturjoghurt für unser Müesli, wir nehmen den guten Griechischen, den mit 10 % Fettgehalt. Das schmeckt vielleicht gut, gibt allerdings auch Tinte auf den Füller! Es ist fast windstill, glatt liegt das Meer in verschiedenen Schattierungen. Unter uns ist es türkis-blau, der Untergrund ist sandig, unser Anker hat sich tief eingegraben. Daneben erscheint das Meer dunkelblau, Algenwälder bedecken den Grund. Dieses geschützte Revier erfreut viele Wassersportler. Allgegenwärtig sind die Stand-Up-Paddler, in Kajaks paddeln Familienväter mit dem Nachwuchs, buntbesegelte Katamarane preschen durch die Ankerlieger, in flinken Lasern segeln Fortgeschrittene, die Anfänger des Segelsports sitzen mit ernsten Gesichtern in den gutmütigen, offenen Booten, die so verwegene Namen tragen wie: Joe Cocker, James Dean, Janis Joplin, John Lennon, Jack Nicolson, aber auch eine Ursula ist dabei. Die Windsurfer aus dem zweiten Kurs lernen die Wende. Endlich pusten wir unser neues Schlauchboot auf. Es ist grau, hell und dunkel, es hat praktische Griffe, einen aufblasbaren Boden, alles chic und praktisch, es hält die Luft, aber es wird niemals eine Schlauchdiva werden. Die allererste Nutzung des neuen Gummibootes besteht darin, Olaf um Diva herumzumanövrieren, damit er den Wasserpaß schrubben kann. Wir motoren zur Ile Cigogne, wenige Meter von unserem Liegeplatz entfernt. Die Festungsanlage wird von einer Segelschule, Reparaturwerkstatt und einer Art Jugendherberge genutzt. Viele junge Leute, die verschiedenen Beschäftigungen nachgehen, Musik, Fröhlichkeit, freies Leben, freie Liebe. Wir motoren weiter zur Hauptinsel, St. Nicolas. Zwei Restaurants/Bars empfangen gleich mit der Ankündigung, daß sie vollkommen ausgebucht seien. Ein hölzerner Bohlenweg führt um die Insel herum. Den begehen wir, immer wieder erfreuen kleine Strände, eine weiße Sandzunge verbindet St. Nicolas mit der Ile de Bananec, in der angrenzenden, türkisblauen Lagune tummeln sich Kinder, ungefährdet im seichten Wasser. In der Bar an der Mole finden wir einen freien Tisch, bei einem kühlen, leicht perlenden Weißwein genießen wir den Sonnenschein, die Ferienlaune um uns herum, viele Familien nutzten den sonnigen Sonntag um mit der Fähre zu den Glenans zu gelangen, nun stehen sie, bepackt mit den Utensilien, die eine Familie für einen Strandtag benötigt, auf der Mole und warten auf die Fähre, welche sie wieder ans Festland schippert. Wir wollen auch zurück zur Diva. Bis vor Kurzem war es sehr einfach, unser Schlauchboot zu finden, es war knallrot, jetzt gestaltet es sich schwieriger, alle Schlauchboote sind in dieser Saison grau bis gräulich, man muß aufpassen, daß man nicht in ein fremdes Boot einsteigt. Wir freuen uns über einen schönen Sonnenuntergang, leider fällt das Barometer, schon wieder!

MONTAG, 7. August 2017  (Iles de Glénan - Port Kernevel: 29 sm)

 

Heute Nacht habe ich mir meinen Schlafanzug wieder herausgesucht. Als ich aufstehe sind es 16 Grad sowohl drinnen als auch draußen. Halb zehn nehmen wir den Anker auf, der Wind weht mit 3 Beaufort, wir setzen alle Segel und kommen mit knapp 6 Knoten ganz gut voran. Mit einem fahrigen Pinselstrich ist wolkenweiß ins himmelblau gemalt, die Sonne scheint dadurch. Das Ufer ist weit weg, Dörfer, Wälder, Steilküsten und immer wieder Sandstrände. Dann schläft der Wind ein, als die Windanzeige 1,5 Beaufort anzeigt, nehmen wir den Motor dazu. Von einer Minute zur anderen wird es heiß, richtiges Bikiniwetter. Olaf fragt, ob ich schwimmen will, doch so warm ist mir nun doch nicht. Wir sehen Delfine! Wieviel es genau sind vermögen wir nicht auszumachen. Sie haben leider keinerlei Interesse an uns und schwimmen in einiger Entfernung vorbei. Genau um drei am Nachmittag binden wir am letzten vernünftigen Liegeplatz im Hafen an. Bei den fröhlichen Mädchen von der Capitainerie mieten wir 2 Fahrräder und fahren zum nächsten Supermarkt. Die Mädels empfehlen uns heute Abend mit dem kostenlosen Bus nach Lorient zu fahren, dort gäbe es ein keltisches Musikfestival. Wir sind ganz angetan, als wir dann aber vom Einkaufen zurück sind, noch Wasser nehmen müssen, das Schiff aufklaren und ein bißchen putzen, einen Riesenabwasch zu bewältigen haben, wollen wir nur noch in die Pizzeria am Hafen gehen. Wir sitzen nett draußen, die Bedienung ist hübsch und flink, die Pizze sind ausgezeichnet.

DIENSTAG, 8. August 2017  (Port Kernevel  -  Locamariaquer: 30 sm)

 

Heute ist unser achter Hochzeitstag. Das Wetter ist wie unsere Ehe: blauer Himmel, Wolken hängen mal hier, mal da, über allem scheint die Sonne und ein halber Wind weht mit 4 Beaufort. Lange Hosen und langärmelige Pullover sind die richtige Kleidung. Als wir aus der Hafeneinfahrt raus sind, fummeln wir unseren Blister aus der Vorpiek heraus. Leider macht uns der Wind nicht oft die Freude, daß wir unseren Blister bemühen, deswegen klappt es nicht so recht, also nochmal von vorne. Aber, wenn das bunte Segel aus dem Sack springt! Alles für diesen Moment! Wir sind schnell, schnell zieht auch die abwechslungsreiche Küste von Quiberon, der Halbinsel, an uns vorbei. Der Wind frischt weiter auf, bei fünfeinhalb Windstärken versuchen wir den Blister wieder einzusammeln. Wohlgemerkt: versuchen! Auch das klappt nicht gleich. Nur noch das Großsegel treibt uns voran, und das schnell. Wir sind vor der Einfahrt zum Golf von Morbihan, der Strom erfaßt Diva. Es ist gespenstisch, wir schlittern mit knapp 12 Knoten in den Golf hinein. Kurz vor der Einfahrt zu Locmariaquer scheren wir aus diesem Race aus. Der beflissene Hafenmeister weist uns einen Warteplatz am Promenadensteg zu, fragt, ob er später beim Verholen helfen soll. „Nein, das schaffen wir allein!“ Der Platz, wo wir die folgenden 2 Nächte verbringen wollen, wird frei. Der Wind steht ungünstig, weg vom Steg, außerdem weht er noch immer mit 4 Beaufort. Das bedeutet: keinen Fehler machen, beim an-Land-springen nicht zögern, schnell die Leinen festbinden, egal wie es aussieht. Olaf fährt einen perfekten Anleger, blitzschnell haben wir Diva festgebunden, gleich zerrt sie wie blöd an den Leinen, als wenn sie auf keinen Fall in Locmariaquer bleiben wolle. Ein aufmerksamer Franzose hastet heran, eine helfende Hand anbietend. Zu spät! Er erkennt es und signalisiert mit 2 nach oben zeigenden Daumen seine Anerkennung. Ich deute eine kleine Verbeugung an. Jaaaa, mein Olaf ist ein Teufelskerl was Segeln, Seemannschaft und An- bzw. Ablegen anbelangt. Dafür kann er nicht tanzen, überhaupt nicht. Aber was hätte es mir in eben diesem Fall genutzt mit dem besten Tangotänzer von Harburg verheiratet zu sein? Nichts, rein gar nichts! Einen klitzekleinen Abendspaziergang durch dieses hübsche Locmariaquer unternehmen wir. Jetzt weiß Olaf, wo er morgen früh ein Baguette kaufen wird. Es ist kurz vor Mitternacht, Olaf schläft, ich schaue draußen nach dem Rechten, der Mond ist noch fast voll und scheint silbrig auf die trocken liegenden Schiffe und das wellige Watt. Leider komme ich nicht auf den brillanten Gedanken, diese Stimmung mit einem Foto festzuhalten.

MITTWOCH, 9. August 2017  (Hafentag in Locmariaquer)

 

Wir sind beide schon früh auf, eine himmlische Ruhe herrscht hier. Der Hafen läuft total trocken, also gibt es so gut wie keine Segler, ergo können auch keine Fallen klappern. Franzosen und Holländer stört es keineswegs, wenn so ein Fall klötert, mich macht es wahnsinnig. Die Sonne scheint vom leicht bewölkten Himmel, es ist fast windstill. Das Baguette verdient eine glatte EINS! Wir haben viel Zeit zum frühstücken, die morgendliche Ganzkörperwaschung muß nämlich ausfallen, weil die sanitären Anlagen bislang lediglich auf den Plänen bestehen. Es gibt auch weder Wasser, Strom noch Internet, dem Hafenmeister ist das unangenehm, wir schürzen die Lippen und machen Pfft. Das hört sich in etwa so an, als ließe man die Luft aus einem Schlauchboot. Die Franzosen machen das unentwegt. Locmariaquer ist wunderhübsch. Wie in vielen anderen Städtchen gibt es auch hier überdimensionale Fotos, aufgehängt über das Dorf verstreut, auf denen ist das Leben am und auf dem Meer abgebildet. Am Hafen sind 2 kleine Restaurants, eines für alles, was aus dem Meer kommt, das andere serviert Crêpes. Die Straßen sind der Größe des Ortes angepaßt, bis auf wenige Bausünden sind die Häuser malerisch, mit liebevollen Vorgärten. Außerhalb des Ortskerns sind die Häuser größer, gleichen Landsitzen, bis auf einige Ausnahmen, sehr schön, möchte man drin wohnen. Die Kirche ist umfaßt von einem blumigen, kleinen Park. Die Hauptapsis ist schlicht, rechts und links schließen sich zwei kleinere Apsen an. Die Fenster sind modern, auch einige Gemälde scheinen neueren Datums. Es gibt einen Beichtstuhl, die beiden Plätze für die Büßer sind mit Sperrholz vernagelt, der Platz für den Beichtvater scheint mir unbequem, gibt es doch keine Sitzmöglichkeit. Im „le petit chantier“, einem kleinen Restaurant etwas oberhalb des Meeres, schlürfen wir Austern, danach gehen wir zu den Menhiren, diesen Zeichen aus vorchristlicher Zeit. Fast schwarze Wolken türmen sich rundherum auf. Beflügelten Schrittes eilen wir zum Hafen. Kaum sind wir an Bord, regnet es, dann gießt es, nun gesellt sich ein Gewitter dazu, dabei stehen alle Barometer auf Sonne. Als es nach kurzer Zeit aufklart, wird uns klar, daß wir Hunger haben. In einem überschaubaren, bis auf den letzten Platz besetzten Restaurant, essen wir köstliche Crêpes. Abends spielt auf dem kleinen Platz am Hafen eine Kapelle bretonische Musik, danach würde ich die Musikanten eine Band nennen, da jetzt laute Discoklänge erschallen, und das bis in die frühen Morgenstunden.

DONNERSTAG, 10. August 2017   (Locmariaquer - Ile d’Arz: 8 sm)

 

Mit ablaufendem Wasser verlassen wir Locmariaquer, von dem wir nichts erwarteten, da weiland dieser Franzose auf der Mönchsinsel entgeistert fragte: „What do You want in Locmariaquer? There is nothing!“ Also, dieses „Nothing“ war sehr reizvoll. Wir verabreden uns mit Moni und Jürgen, deren jüngere Tochter Claudia ist mit ihren 3 Kindern für eine Woche an Bord der Ina. Ganz optimistisch geben wir eine Zeit an, zu der wir an dem Ankerplatz vor der Ile d’Arz sein wollen, Jürgen weiß sofort, daß wir das niemals schaffen werden, wir nicht. Kaum sind wir aus dem Schutz der Hafenbucht heraus, erfaßt uns die Strömung, und zwar leider nicht in die Richtung, in die wir fahren müssen, sondern entgegengesetzt. Mutig setzen wir alle Segel, wenn wir ins Wasser schauen, kommen wir eilendschnell voran, beim Blick auf das GPS erweist sich das als Fehlinterpretation. Trotz rauschendem Wasser bewegen wir uns kaum voran, gut zu beobachten an der bewaldeten Insel, vor der wir seit Unendlichkeiten stehen. Als wir dann auch noch rückwärts segeln, schmeißen wir die Segel runter und den Motor an. Wir mühen uns bis zu einem kleinen Mooringplatz vor einer zauberhaften Sandbucht. Dort wollen wir verweilen, bis die Tide kippt. Bei Sonnenschein im Windschatten läßt es sich gut warten. Als die Tide es gnädig mit uns meint, binden wir los und motoren zu Jürgen, Monika, Claudia, Marie, Jonathan und David. (Nach Alter geordnet). 13.20 Uhr werfen wir neben der Ina den Anker. Herrlich bunt-turbulent geht es an dort Bord zu. Jürgen ist nicht aus der Ruhe zu bringen, Moni versucht das Chaos zu ordnen, Claudia, eine Frau die mir sofort richtig gut gefällt, verteilt geduldig ihre Zuwendung zwischen ihren 3 sehr unterschiedlichen Kindern. Marie ist zurückhaltend, freundlich, hübsch, mit liebevoller Fürsorge bedenkt sie ihre beiden Brüder. Jonathan ist in sich gekehrt, Fußball ist sein Leben, das Mittelfeld bespielt er in seinem Verein, in mittelferner Zukunft wird er den Harburger Mädchen die Köpfe verdrehen. Mit seinem unbefangenen Charme fängt David alle, vor allem seinen Opa. Vehement und lautstark setzt er seine Bedürfnisse durch. Auf 2 gleiche Schlauchboote verteilt, aus derselben Fabrik, motoren wir an Land. Weil es noch nicht französische Essenszeit ist, stromern wir durch die verschlafenen Gassen der Insel. In einem Restaurant mit herbem Charme erfreuen wir uns an wirklich gutem Essen. Olaf und ich haben entzückend kleine Miesmuscheln, die erstaunlich gut schmecken. Das Cockpit der Ina, mit der von der Firma Segel-Raap gefertigten Umzeltung, ist wie geschaffen für einen wein-, red-, lach-, und fröhlich-seeligen Abend, den haben wir dann auch.

FREITAG, 11. August 2017   (Ile d’Arz – Larmor Baden: 5 sm)

 

Heute Morgen will ich schwimmen, nicht weil es unerwarteter Weise sehr heiß geworden ist, sondern weil das letzte Mal, das ich meinen Körper ganzheitlich mit Wasser benetzte, geraume Zeit her ist. Das Wasser ist kalt, die Strömung wirkt wie eine Gegenstromanlage, 5 Minuten schwimme ich mit starkem Zug an der selben Stellen, danach dusche ich mich im Cockpit ab, 5 Tropfen Chanel in die Armbeuge, und schon verströme ich Wohlgeruch. Nicht nur zur Körperpflege, zu allem haben wir Zeit, elfuhrfünfundvierzig nehmen wir den Anker auf, es ist eine nicht nennenswerte Entfernung, die wir zurücklegen nach Larmor Baden, dort greifen sich die Crews von Ina und Diva jeweils eine Mooringtonne. Mit 8 Leuten bilden wir eine interessante Gruppe, welche die Umgebung erkundet. Auf unbefestigten Wegen am Hafen entlang, einen holprigen Weg in kleine Höhen hinauf und dann durch den Ortskern. Dieser erweist sich hübscher als von See aus angenommen. Die Austernbar an der Hafenpromenade hat, entgegen der angegebenen Zeiten am Aushang vor der Tür, bereits geschlossen. Das finden vor allem die Kinder gut. Wir kehren ein in ein Restaurant, wo wir uns mit Galettes und Crêpes, süß und salzig, ganz nach Geschmack, trefflich sättigen. Zurück an Bord wähnen wir uns bereits in einem Ruhemodus, der durch den informativen Hafenmeister jäh gestört wird. Wir befinden uns leider an Mooringtonnen, die nicht zur freien Verfügung stehen. Wir müssen verholen, gegenüber vor der bewaldeten Insel finden wir nach dem einen und dem anderen Manöver ruhige Ankerplätze. Moni bereitet ein klassisches Abendbrot. Danach spielen wir alle zusammen an Bord der Ina schummeln. Wir lachen und schummeln, eine wahre Freude. Moment, nicht alle, Claudia hat David ins Bett gebracht und ist neben ihm eingeschlafen.

 

SONNABEND, 12. August 2017 (von Larmor Baden -gegenüber- nach Crouesty: 6 sm)

 

Der Blick aus der Luke ist ernüchternd, alles naß und grau, leichte Nebel wehen um die Bäume, welche die Inseln zieren. Feiner Nieselregen wabert, trotzdem nehmen wir die Anker auf, und zwar um späte 11.45 Uhr. Nicht nur die Vorratsschränke verlangen es. Wir wollen nach Port du Crouesty, diesen großen Jachthafen schätze ich gar nicht. Doch zuerst führt uns der Weg durch verschiedene, pikante Strecken, allesamt mit feinem Regen versponnen, gut für die Haut, schlecht für die Laune. Die Strömung fließt mal so, mal so, die Wellen sind kurz und kommen von allen Seiten. Ich stehe an der Pinne während Olaf vor seinem Kartentisch träumt. In der Bucht vor Crouesty kreuzen viele Schiffe, das wird eng werden im Hafen, sehr eng. Wir finden Plätze, Diva einen fingerguten, Ina einen längsseitsguten. Große Häfen haben auch ein großes Angebot. Olaf und ich schlendern an den ungezählten Geschäften und Restaurants vorbei, unser Ziel ist der Supermarkt, einige hundert Meter entfernt. Zurück an Bord lümmeln wir im Cockpit rum, Claudia und Jonathan erfreuen uns mit ihrem Besuch. Nach einem bißchen Wein und viel Geschnatter gehen wir zur Ina, dort gibt es Abendbrot und Spiele.

SONNTAG, 13. August 2017  (Port du Crouesty – Pénerf: 19 sm)

 

Spät in die Koje, spät aus der Koje. Die Ina-Crew verabschiedet sich Richtung Foleux, Claudia mit den Kindern muß zurück nach Harburg. Sie alle werden mir fehlen. Wir verlassen Crouesty mit Ziel Pénerf, ein kleiner Ort an der Flußmündung des Pénerf, kurz vor der Vilainemündung. Von den 19 zu segelnden Seemeilen sind mindestens 13 Ufermeilen mit Sandbuchten bestrandet. Der Wind weht sachte, wir können ohne Kapriolen unsere Mahlzeit zu uns nehmen. Von Pénerf erwarten wir nicht viel, findet es doch in unserem Reiseführer keine Erwähnung, obwohl dieses Städtchen erstmalig 1261 in den Chroniken erwähnt wurde. Die Ansteuerung ist nicht gleich auszumachen, eine Flußmündung können wir beide nicht feststellen. Doch dann löst sich das Rätsel und wir segeln einen ruhigen Flußlauf wenige Meilen hinauf. An einer Mooringtonne binden wir fest. Der knackige Hafenmeister weist uns zuckersüß eine andere Tonne zu, an der binden wir an, an der können wir bleiben. Unser neues Schlauchboot bringt uns an Land. Auf den ersten Blick wirkt das Dorf verträumt, klein, die wenigen Häuser, die man zum Dorfkern rechnen kann, sind in die Jahre gekommen, aus Feldsteinen, verputzt und unverputzt, gebaut. Wir spazieren am Wasser entlang, gelangen zu einer Austernbar. Die rustikale Terrasse ist sonnenbeschienen. Wir studieren die auf Schiefertafel geschriebene Speisenkarte. Hier gibt es Muscheln, Schnecken und natürlich Austern. Meine Frage, wie sie denn die Muscheln zubereiten würden, erweckt hochgezogene Augenbrauen. Hier wird alles roh serviert. Bei dem Gedanken an lebendige Meeresschnecken, die man roh verzehren soll, läuft ein ganz fieser Film in meinem Kopf ab. Wir nehmen Austern.

MONTAG, 14. August 2017  (Ruhetag an der Mooring in Pénerf)

 

Ganz ruhig ist es hier nachts, sanft schaukelt das Schiff. Olaf ist nur schwer zu bewegen ein Baguette zu holen. Gestern, bei unserem kleinen Rundgang, hätten wir keine Bäckerei gesehen. „Schnickschnack! In jedem französischen Dorf gibt es eine Bäckerei!“ Ist meine harsche Aufforderung. Viel, viel später kommt Olaf zurück, er hat ein Baguette, dieses verkaufte ihm die geschäftstüchtige Bedienung eines Restaurants. Für französische Verhältnisse ist es fast ein Schwarzbrot, mir schmeckt es, Olaf mäkelt. Die Motorbootfahrer, Segler, Kanuten, alle sind sie erwacht, haben gefrühstückt und fahren nun gestärkt und munter den Fluß hinauf und hinunter. Ein lustiges Gefährt mit dem Namen „Rio“ bestellt den Fährdienst von einem Ufer zum anderen. Wir schlaucheln an Land und binden das Gummiboot an den festen Steg. Eine Kapelle steht am Hafen. Weder von außen noch von innen ist sie schmuck, sie ist nach Osten ausgerichtet, rechts und links des kleinen Altars gibt es jeweils eine Seitenkapelle. Von der Decke baumeln hölzerne Segelschiffe, keine Beichtstühle laden zur Seelenerleichterung. Wir laufen den Uferweg am Fluß entlang, es ist Niedrigwasser, Algen und ausrangiertes Gerät zur Austernzucht liegen am Ufer. Den Weg säumen Brombeerhecken, Häuser mit großen Grundstücken in allerbester Lage erstaunen mich. Die Besitzer haben weder bei der Gestaltung der Häuser noch der Gärten Geschmack oder Liebe walten lassen. Zurück am Hafen beschert uns das Niedrigwasser einen Zwangsaufenthalt. Unser Gummiboot liegt trocken am Steg, davor ein riesiges Schlauchboot, ebenfalls trocken. In etwa einer Stunde werden die Boote wieder schwimmen, also ein weiterer Spaziergang, dieser führt uns zu einem eigenwilligen, klitzekleinen Freiluftmuseum, und anschließend in eine Bar, ein Erfrischungsgetränk einzunehmen. Abends wählen wir von den drei Restaurants im Ort das ansprechendste aus. Wir bekommen den letzten freien Tisch. Zur Vorspeise haben wir einen Melonensalat mit geräucherter Entenbrust auf Quinoa, danach geschmorte Schweinebäckchen mit Blumenkohl und Selleriepüree, den Abschluß bilden zarte Himbeertörtchen mit Limettenschnitzen. Alles ist ausgesprochen köstlich, leider sehr übersichtlich, ich könnte das Menü nochmal von vorne essen.

DIENSTAG, 15. August 2017  (Pénerf – Pornic: 48 sm)

 

Bei diesem Wetter ist bereits früh reichlich Betrieb am Slip, Boote werden aus dem Wasser und in das Wasser manövriert, die Austernwirte stellen ihre Tische in die Sonne, die Fähre hat ihren Betrieb schon aufgenommen. Zehnuhrdreißig binden wir von der Mooring los und motoren aus der Flußmündung heraus. Die Biskaya empfängt uns mit angenehmen dreieinhalb Windstärken aus Blisterrichtung. Wir setzen dieses große Segel und werden schnell. Es ist ein großartiges Segeln, der Wind legt zu, aber noch können wir den Blister gesetzt lassen. Erst als ich unseren Mittagsimbiß bereite, es also sehr unpassend ist, muß ich ganz schnell meine Arbeit unterbrechen um mitanzufassen. Der Wind kommt jetzt von achtern, wir fahren nur unter Groß. Die lange, lange Sandküste von La Baule mit den riesigen Hotelbauten zieht vorbei. Wir erinnern uns, aus der Entfernung wirkt es schlimmer als von nahem. Die Felsenküste schließt sich an, letztes Jahr fuhren wir hier mit dem Fahrrad entlang. Wir überqueren die Mündung der Loire, keine lieblichen Weinberge erfreuen das Auge, unromantische Industrieanlagen sind zu sehen. Die Bucht von Bourgneuf liegt vor uns, die Marina von Pornic können wir bereits sehen. Die Hafeneinfahrt ist eng, die Marina scheint überfüllt, aber der fesche Hafenmeister weist uns einen schönen Platz zu, neben uns liegt „Rasmus“ aus Emden. Ein freundliches Ehepaar genießt seit 2 Jahren den wohlverdienten Ruhestand segelnd in der Bretagne. Gegenüber liegen bunte, kleine Fischkutter, ein malerisches Bild. Olaf ist am E-Mail schreiben. Jetzt schimpft er: „Dieses blöde Selbstvervollständigungsprogramm! Ich wollte schreiben: gleich wollen wir uns Pornic anschauen, da macht das Programm: -gleich wollen wir uns Pornofilme anschauen- draus! Wenn man da nicht aufpaßt! Wenn ich diese Mail, ohne Korrektur zu lesen, abgeschickt hätte!“ Ich meine darauf nur: „Bei Limetten-Klaus wäre es egal und Deiner Mutter schickst Du keine Mails:“ Wir schauen uns dann aber doch nicht Pornic an, wir duschen und gehen beizeiten schlafen.

MITTWOCH, 16. August 2017  (Hafentag in Pornic)

 

Diese bunten, kleinen Fischkutter, die da so malerisch gegenüberliegen, fahren frühmorgens, wenn selbst die ganz zeitigen Hähne noch ihre Köpfe unter den Flügeln haben, mit großem Kawumm und Katschengel aufs Meer hinaus. Das ist zwar romantisch, aber dennoch störend. Einschlafen kann ich nicht mehr richtig, also nutze ich die Zeit um für Olaf Törtchen zu bereiten. In braune Butter krümele ich Löffelbiskuit, diese duftende Masse presse ich anschließend in Edelstahlringe, darauf verteile ich eine Crème, heute Apfelsine-Limette-Sahne. Olaf hat eine neue Liebhaberei. Nachmittags schleckert er gerne Törtchen und dazu macht er sich einen Cappuccino. Nach dem Frühstück wollen wir endlich Pornic erkunden. Ein Küstenweg führt zum alten Hafen, vorbei an Villen aus der Jahrhundertwende, umgeben von kunstvoll gestalteten Gärten, die Bucht, in welcher der alte Hafen liegt, ist ein Traum. Pornic ist an einen Hang gebaut, kleine Häuser ziehen sich an engen Gassen hinauf, Ein Restaurant hat eine morbide Treppe in seinen Außenbereich integriert, hier will ich heute Abend unbedingt essen, sie werben mit besonderen Muscheln. Rund um das Hafenbecken reihen sich Restaurants für unterschiedliche Geschmäcker. Alles wirkt heiter, riesige Palmen verbreiten südliches Flair. Im Hafen schaukeln Schiffe, diese sind weder zu groß noch zu modern. Eine steile Gasse schnaufen wir empor, da steht die Kirche, welche es zu beurteilen gilt. Diese Kirche wurde St. Gilda geweiht, sie ist recht klein, aber hoch. Rundbögen halten das Dach. Die Kirchenfenster zeigen biblische Motive, auf dem einen Fenster meine ich die Mutter von Maria, also Jesus‘ Oma auszumachen. Einen Beichtstuhl gibt es, die Büßerplätze rechts und links sind mit Vorhängen bestückt, die einladend zur Seite gebunden sind, auf dem Platz des Beichtvaters kein Müll, hier gebe ich eine glatte eins. Wir haben unsere Einkaufsutensilien dabei, also geräumige Taschen und einen Hinterherziehwagen. Mit der Absicht, später wiederzukommen, verlassen wir diese verträumten Sträßchen von Pornic. Nun führt uns der Weg in die weniger schönen und geschmackvollen Viertel. Nachdem wir die Einkaufsmöglichkeiten abgegrast haben, lenken wir unsere Schritte gen Hafen. Wir schieben noch eine Waschmaschine ein, dann zotteln wir erneut zum alten Hafen von Pornic. Jetzt haben wir Niedrigwasser. Die niedlichen Boote liegen im Schlamm, der Charme hat sehr gelitten. Vor dem Restaurant an der Treppe steht das Personal und raucht, das wirkt nicht einladend, in dem zweiten Restaurant schickt uns der Kellner weg, sie hätten noch nicht geöffnet -es ist sieben Uhr-, das dritte Restaurant sagt uns beiden nicht sonderlich zu, aber es hat geöffnet und wir haben Hunger. Ich habe wirklich gute Muscheln, Olafs Entenbrust ist verkokelt. Die Bedienung kratzt sich am Po und sagt eine Entschuldigung. Als Entschädigung kaufen wir uns an der Eisdiele, wo sich vorhin eine Menschenschlange in Kreisen wand, jeder ein Eis, das ist ein Fest für die Geschmackspapillen.

DONNERSTAG, 17. August 2017  (Hafentag in Pornic)

 

Wir schlürfen den ersten Morgenkaffee, es stürmt, es regnet, ein vertrautes Geräusch: das Anspringen eines Motors. Neugierig schaue ich aus dem Niedergang. Die Rasmus-Crew von nebenan macht sich, im schweren Wetteranzug, zum Auslaufen bereit. Sie wollen nach Norden, es stürmt aus Süden. Den Spruch, den wir hören, ist so herrlich norddeutsch: „Unser Ölzeug war schon viel zu lange trocken, da ist es gut, wenn es mal wieder durchfeuchtet wird!“ Für unser Vorankommen nach Süden paßt der Wind denkbar schlecht, wir bleiben einen weiteren Tag in Pornic. Zwölfuhrfünfundzwanzig nehmen wir den Bus nach Nantes. Eine gute Stunde schaukelt uns die nette Busfahrerin durch das Landesinnere. Kurz hinter Pornic hört der Charme und die Leichtigkeit des Südens auf. Die Dörfer, welche wir durchfahren, sind eine Mischung aus DDR-Zeiten gepaart mit verfallenem Griechenland. Es nieselt, als wir den Busbahnhof von Nantes erreichen. Wir kaufen eine 1-Stunde-Karte für die Straßenbahn und fahren Richtung Zentrum, die Fahrt führt über die Loire, weder Liebreiz noch Weinberge begeistern uns. Bis ins Stadtzentrum erschreckt uns eine triste Gegend. Das Zentrum scheint hübsch, aber wir fahren weiter bis zur Endhaltestelle, erstens wollen wir so viel wie möglich sehen, zweitens fahren wir schaurig gerne Straßenbahn. Das schöne Zentrum liegt viel zu schnell hinter uns, Nachtjackenviertel schließen sich an, finstere Gestalten steigen in die Bahn oder lungern herum. An der Endhaltestelle hüpfen wir behänd über die Gleise und erwischen noch die Bahn in die entgegengesetzte Richtung. Im Zentrum steigen wir aus und schlendern durch die schöne Altstadt. Der Hunger läßt uns ein Restaurant suchen. Es ist schwierig in Frankreich außerhalb der Essenszeiten Nahrung zu sich nehmen zu können. Es ist 14.30 Uhr, wir setzen uns in ein Lokal alternativen Anstrichs, aber auch hier wird uns mitgeteilt, daß die Küche geschlossen sei. Leicht gefrustet kaufen wir uns belegte Baguettes, die machen satt aber nicht glücklich. Das Schloß der bretonischen Herzöge liegt auf dem Weg. Wir laufen auf der Festungsmauer entlang, eine lange Rutsche führt nach unten, bei Regen wird sie geschlossen, es fängt an zu regnen, wir nehmen die Treppe. Die Kirche zum Heiligen Kreuz kreuzt unseren Weg, oder besser umgekehrt. Diese ist recht klein, marmorne Votivtafeln kleiden nahezu sämtliche Wände. Die Orgel befindet sich hinter dem Altar. Es gibt 3 Beichtstühle, 2 sind abgeschlossen und nicht beurteilbar, der dritte ist ohne Beanstandung. Wir kommen aus der Kirche raus, und es fängt wieder an heftig zu regnen, in einem kleinen Café finden wir Unterschlupf. Die Einrichtung ist liebevoll zusammengetragen, die Bedienung warmherzig, der Roséwein erquickend. Die Straßenbahn bringt uns zum Bus, danach bringt uns der Bus zurück nach Pornic. Hier trennen sich die Wege von Olaf und mir. Olaf tätigt einige Einkäufe im Supermarkt, ich gehe zurück zur Marina, sage in der Capitainerie Bescheid, daß wir einen Tag länger bleiben und bereite an Bord einen Hackbraten nach Art meiner lieben Freundin Dörte zu.

FREITAG, 18. August 2017  (Pornic - Ile d’Yeu: 30 sm)

 

Wo wir sind ist Regen, ist Sturm. Sah die gesamte Vegetation vor unserer Ankunft hier trocken und trostlos aus, seitdem wir hier segeln, erholt sie sich zusehends. Auch die Schilder, die in den Häfen darauf hinwiesen, daß das Waschen der Schiffe wegen Wassermangels untersagt sei, werden entfernt, das würde sowieso keiner glauben. Wir hinterlassen, sozusagen, eine grüne Schneise. Nachdem es die ganze Nacht geschüttet hat, zeigt sich der Morgen freundlich. Olaf holt das bestellte Baguette aus der Capitainerie, belegt mit Tomate und Schinken soll das unser Mittagsimbiß sein, als der Wasserstand es zuläßt verlassen wir den Hafen von Pornic. Eine reizvolle Bucht verliert sich im Achterwasser, traumhaft schöne Häuser, links blinkt ein weißes Golf- und Strandhotel, davor natürlich der dazugehörige Strand, eine Reihe von weißen Umkleidekabinen erinnern an vergangene Zeiten. Der Himmel ist blau, verziert mit kleinen Wölkchen, der Wind weht moderat, die Sonne scheint, es ist gerade so, als wenn sich das Wetter bei uns einschmeicheln wollte. Alle Segel sind gesetzt, wir kommen gut voran. Unterwegs telefoniert Olaf mit Carsten, wir werden ihn und Ramona auf der Ile d’Yeu treffen. Halb sechs erreichen wir den Hafen, imposant liegt das große Aluschiff von Ramona und Carsten gleich am Anfang der Marina. Die Hafenmeisterin prescht mit ihrem flinken Motorboot zu uns und hat tatsächlich noch einen angenehmen Boxenplatz für uns, damit haben wir nicht gerechnet. Wir statten Ramona und Carsten einen kurzen Bierbesuch ab, sie haben ein lustiges Ehepaar aus Siebenbürgen an Bord.

SONNABEND, 19. August 2017  (Hafentag auf der Ile d’Yeu)

 

Auf dieser Insel soll das Fahrrad das vorherrschende Verkehrsmittel sein. Wir wollen uns ein elektrisches Gefährt ausleihen. Der erste Vermieter kann uns leider nicht bedienen, ausgebucht! Und ich hatte Olaf noch gesagt, er solle 2 reservieren, als er morgens lostigerte um Baguette zu kaufen. Der Familienfrieden hängt am seidenen Faden. Doch beim 2. Vermieter können wir uns jeder ein Elektrofahrrad leihen, Freude ziert unsere Gesichter. Holländische Verhältnisse herrschen auf Ile d’Yeu, alles, was einigermaßen Gleichgewichtssinn hat, ist mit dem Drahtesel unterwegs. Wir sind schnell mit unserem Elektroantrieb, zuerst wollen wir die Insel umrunden, der Küstenweg führt an steilen Klippen vorbei, dramatisch brechen sich die Wellen an schroffen Felsen, kleine Sandbuchten, größere Stände, bevölkert mit sommerhungrigen Badegästen. Mal schweift der Blick ungestört bis zum Horizont, in der nächsten Bucht ankern Segler, dann scheint das Meer geschmückt wie zu einem Kindergeburtstag, Fischer haben ihre bunten Markierungen ausgelegt. Lebenslustige Hummer werden sich ahnungslos in die mit schmackhaften Ködern versehenen Körbe verfangen und noch am Abend auf den Tellern genußfreudiger Urlauber landen. Dann schlängelt sich der sandige Weg durch Dornengestrüpp, die ersten Brombeeren sind reif. Hohe Büsche, die ich leider nicht kenne, tragen pralle Früchte, sie sehen wie große Heidelbeeren aus. Olaf will ums Verrecken keine probieren. Niedrige Mischwälder schließen sich an, danach radeln wir durch hohe, kühle Pinienansammlungen. Wir kommen an den verträumten Hafen von Meule, in dem kleinen Restaurant serviert mir ein zauberhaftes Mädchen köstliche Muscheln mit knusprigen Pommes Frites und Olaf freut sich über eine zartgeschmorte Lammhaxe. Jetzt wollen wir das Landesinnere erkunden. An der Kirche ist ein Markt aufgebaut, viele touristische Stände mit allerlei Schnickschnack, aber auch einige Stände mit Produkten aus der Region, ich kaufe Tomaten, Kartoffeln, Salat. Als Geschenk erhalte ich Basilikum. Die Kirche ist klein, hohe Kuppeln werden mit modernen Lampen angestrahlt, Fresken wurden freigelegt, es fordert Ehrfurcht ab, wenn man bedenkt, daß diese Fresken schon viele, viele hundert Jahre alt sind. Frauen schmücken den Altar mit frischen Blumen, ein Enkelkind freut sich über die Akustik, trotz immerwährender „psssst!“ läßt es seine glockenhelle Stimme durch den Raum erschallen. Unsere Akkus vom Fahrrad sind fast platt, also radeln wir zur Vermietstation, es sind ja keine Entfernungen. Bestückt mit frischer Energie geht die Tour weiter. Wir radeln durch alle Dörfer, es gibt nicht viele. Die Häuser sind weiß, die Fensterläden meist blau, vereinzelt sehen wir Fassaden aus Feldsteinen, aus Feldsteinen sind auch die Mauern, die einige Grundstücke einfrieden. Die Straßen sind eng und die anderen Fahrradfahrer sind eine Plage. Wir kommen wieder an die Kirche, ein Gottesdienst soll wohl gleich beginnen, der Abbé läuft in seinem cremefarbenen Mäntelchen durch die spärlich besetzten Reihen, Zettel austeilend. Es gibt keine Beichtstühle. Neben der Kirche ist eine Wein- und Delikatessenhandlung, mit Ausschank. Diesen Ausschank nutzen wir, bei einem Wein freuen wir uns über die rasante Fahrt über diese traumhafte Insel. In meiner Jugendzeit wurde das Stadtbild von Enten und R4s geprägt, es waren reifengewordene Lebensanschauungen. Hier, auf der Ile d'Yeu, dürfen diese Veteranen ihren Lebensabend, durchaus noch fahrend, verbringen.  Bevor wir die Räder zurückgeben, wollen wir im Supermarkt einkaufen. Ich fahre einem blauen Hemd hinterher, viel zu spät merke ich, daß dieses blaue Hemd nicht zu meinem Olaf gehört. Wir treffen uns dennoch auf dem Parkplatz des Supermarktes. In affenartiger Geschwindigkeit raffen wir die nötigen Lebensmittel zusammen um noch rechtzeitig an der Vermietstation die Räder zurückgeben zu können. Knappe 70 Kilometer haben wir heute zurückgelegt. Im Hafen treffen wir Moni und Jürgen. Es ist wunderlich, wir sind im selben Segelverein, wir leben in Harburg, dort treffen wir uns, günstig geschätzt, 2 bis 3 mal im Jahr. Hier, in der Biskaya, segeln wir uns ständig über den Weg. Es wird ein schöner, langer Abend.

Ile d'Yeu

SONNTAG, 20. August 2017  (Ile d’Yeu - Saint-Gilles-Croix-de-Vie: 18 sm)

 

Vormittags gehen Jürgen und Olaf in dem renommierten Fischladen der Insel einkaufen. Zwölf Uhr mittags, wir verlassen den Hafen. Sonnenschein und blauer Himmel tragen sehr zum Wohlbefinden bei, der Wind erlaubt Segeln, erfordert aber auch gelegentliches Motoren. Nach gut vier Stunden erreichen wir den Hafen von Saint-Gilles-Croix-de-Vie. In der großen Marina gibt es leider keine Plätze für uns, wir müssen am Besuchersteg längsseits gehen. Moni und Jürgen bei einem unbewohnten Schiff, unsere Nachbarn sind Engländer, allerdings erst auf den zweiten Blick zu erkennen, sie segeln unter französischer Flagge. Zum Abendessen freut sich Olaf über Ceviche, das hat er sich schon lange gewünscht, danach gibt es äußerst wohlschmeckenden Fisch an Gurkenaabern. Der spaßige Franzose, der mich an Asterix erinnert, er, seine Frau und der wischmopähnliche Hund, waren bereits auf der Ile d’Yeu unsere Nachbarn, liegen sie 2 Schiffe hinter uns.

MONTAG, 21. August 2017  (Hafentag in Saint-Gilles-Croix-de-Vie)

 

Unsere Nachbarn, sie ist Engländerin, er ist Waliser, wollen gegen Mittag auslaufen, also können wir nichts Rechtes beginnen, Olaf kümmert sich um unser Schlauchboot. Es liegt an Deck und behindert die Sicht, in der nächsten Zeit werden wir es nicht brauchen, also soll es zusammengelegt in der Vorpiek verstaut werden. Die reizenden Engländer machen sich fertig zum Auslaufen, die Sonne brennt, der Wind hat Mittagspause, das Wasser ist glatt wie gebügelte Wäsche. Beide tragen Schwimmwesten, sie schützt ihre Seglerinnenhände mit diesen eischen Segelhandschuhen. Jürgen und Olaf verholen die Schiffe, jetzt liegen Ina und Diva nebeneinander. Moni und Jürgen, die jeden Stein an dieser Küste kennen, unternehmen mit uns eine Stadtführung. Von der Wasserseite sah Saint-Gilles nicht besonders aus, schlendert man durch die Gassen, entdeckt man doch den einen oder anderen Charme. Saint-Gilles ist ein französischer Touristenort, Restaurants, Bars, Geschäfte und auch die unvermeidlichen Galerien findet man. In fast allen Häfen gibt es ein, meist nostalgisches, Kinderkarussell. Hier ist ein kleiner Rummelplatz aufgebaut. Diese unsäglichen, längst totgeglaubten Groschengräber, Hammerhaudraufspiele, verschiedene Fahrgeschäfte, Naschkramstände locken blinkend zur Belustigung. Wir kommen zur ersten Kirche, diese ist für französische Verhältnisse klein, hohe Rundbögen bilden die Decke, leise Orgelmusik ertönt vom Band, wenige marmorne Votivtafeln danken vor allem Maria, die Fenster sind schlicht. Es gibt nur einen Beichtstuhl, die linke Büßerseite ist vollgestellt mit Pappkartons, der Platz für den Beichtvater ist mit einem Kissen bequem gerichtet, auf dem rechten Büßerplatz fehlt die Sitzmöglichkeit. Bei meiner Inspektion werde ich von der Hüterin der Kirche argwöhnisch beobachtet. Wir kommen an einer Weinhandlung vorbei, dort kann man den Wein in mitgebrachten Flaschen abfüllen lassen, wenn der Laden nicht gerade wegen der umfangreichen Mittagspause geschlossen hätte. Heute mache ich eine zweite Kirche, ich stolpere praktisch hinein, sie trägt den Namen St. Gilles. Die Ausstattung ist ein Gemisch aus alt und neu, trotzdem riecht es deutlich muffiger als in den anderen Kirchen, der einzige Beichtstuhl ist vernagelt. Während Moni und ich das Abendessen zubereiten, zockeln die Jungs, bepackt mit eilig zusammengesuchten leeren Flaschen, los, um in der Weinhandlung einzukaufen. Zum Abendessen gibt es Kartoffel-Möhrenstampf mit Entenfilets, dazu trinken wir den frisch herangeschafften Wein, es ist ein gar köstliches Mahl, welches sich bis in die späten Abendstunden hinzieht. Plötzlich öffnet sich die Luke vom hinter uns liegenden Schiff und der Asterix-Franzose steckt seinen Kopf heraus: „Please speak slowly!“ Mir ist völlig klar, daß er nicht „langsam“ sondern „leise“ meint. Der Zeitpunkt für eine Englischlektion ist ungeeignet, ich korrigiere nicht, sondern klettere auf unser Schiff. Die Nacht ist ruhig.

DIENSTAG, 22. August 2017  (Saint-Gilles-Croix-de-Vie - Les-Sables-d‘Olonne: 21 sm)

 

Bevor der Ebbstrom kräftig einsetzt, wollen wir den Liegeplatz verlassen. Kurz nach acht machen wir uns fertig zum Auslaufen. Die Sonne scheint, viele Mitlieger haben auch die Absicht die frühe, sonnige Stunde zu nutzen. Asterix steht fröhlich am Bug seines Schiffes, neben ihm der Wischmopp, den er sich als Hund hält. Ich entschuldige mich für die nächtliche Ruhestörung. Er lacht, kein Problem. Wir motoren durch die lange Hafeneinfahrt, auf den Kaimauern stehen die Angler. Die Bucht von Saint Gilles liegt im Achterwasser, blau das Wasser, begrünte Ufer, darunter die Sandstrände, noch ohne Badegäste, Sommerresidenzen, die vom Ufer aus nicht zu entdecken waren, werden von der Morgensonne beglänzt. Wir setzen die Segel, ruhig gleiten wir durchs Wasser. Es wird warm und wärmer, Olaf entledigt sich der Kleidung. Bereits gute 3 Stunden später erreichen wir die Einfahrt zu Les-Sables-d’Olonne. Rechts liegt der Stadthafen, er gefällt uns, er ist überschaubar, oberhalb des Hafenbeckens gibt es Restaurants, die Tische stehen gefährlich dicht an der Kaimauer, wir haben Niedrigwasser und die mögliche Fallhöhe von Gästen, Gläsern, Aschenbechern beträgt um und bei 4 Meter. Unsere Anzeige warnt uns mit nervtötendem „pieppiep“, wir haben nur noch 1,90m. unter dem Kiel. Niemals würden Moni und Jürgen in so ein Schlickloch fahren, meinen wir. Sind sie aber doch, winkend steht Jürgen auf dem ersten Steg, wir drehen um, ziehen den Kiel ein Stück herauf. 2 schöne Liegeplätze finden wir, die netten Segler, sie aus England, er aus Wales, machen sich gerade klar zum Auslaufen. „Die Waschmaschinen sind kostenlos!“ teilt sie uns noch schnell mit. Seit geraumer Zeit denke ich über das Waschen unserer Bettwäsche nach, aber Zeit, Möglichkeit und Wetter waren nie in Einklang zu bringen. Jetzt paßt alles, auf die fehlende Lust, bei Mittagshitze die Betten abzuziehen, kann ich keine Rücksicht nehmen. Wir bummeln durch den Ort, in der schönen Markthalle kaufen wir Zutaten für einen Mittagsimbiß. Dieses Les-Sables hat Charme, es gibt viele alte Häuser mit schönen Fassaden, einige verziert mit schmiedeeisernen Gittern, enge Straßen, Plätze, auf denen unter Sonnenschirmen Getränke geschlürft werden, bunte Blumenarrangements, verschiedene Möglichkeiten auf angenehme Weise sein Geld auszugeben. Der Strand erstreckt sich über die ganze Bucht, wir haben jetzt Hochwasser, der Sand ist zu einem schmalen Streifen geschrumpft auf dem die Sonnengäste zusammengerückt sind. Wir nehmen den Sundowner in einer Bar direkt am Strand. In bequemen, weißen Sesseln löschen wir den Durst mit Bier, die Füße im feuchten Sand.

MITTWOCH, 23. August 2017  (Hafentag in Les-Sables-d’Olonne)

 

Den Männern gelüstet es nach geschlechtstypischer Belustigung, sie wollen zu den Schiffsausrüstern im anschließenden Hafen. Jürgen hat sich einen Boiler dorthin bestellt und Olaf will sich ein Biminitop anschauen. Putzige Fähren wieseln durch die Gewässer und ersetzen die Brücken. Auf einem dieser Gefährte wechseln wir zur anderen Uferseite. Sehr schnell merke ich, daß ich keine Lust habe von Schiffsausrüster zu Schiffsausrüster zu laufen und fange an zu maulen. Moni ist disziplinierter, hat auch keine Lust, mault aber nicht. Wir vier einigen uns, die Jungs in die Geschäfte, die Mädels in die Bar. Unter einem palmbewedelten Sonnenschirm, an und auf buntgepinseltem Mobiliar, serviert uns eine bildschöne Maid gekühltes Bier. Unsere Jungs sind mit der Aussicht auf ein gekühltes Gerstengetränk schnell fertig mit ihrer Butscherei. Am Nachbartisch werden appetitanregende Tapas verzehrt, 10 Minuten zu lange überlegen wir uns, ob wir auch so etwas schnabulieren sollten. Punkt zwei schließt die Küche, finito, es tut der schönen Mutter von der bildschönen Maid zwar leid, ist aber unabänderlich. Mit heruntergezogenen Mundwinkeln zotteln wir weiter, in der nächsten Bar, welche Tapas anbietet, fragen wir erstmal. Ja, es gibt noch etwas zu essen, allerdings nur kalte Kleinigkeiten. Diese kalten Kleinigkeiten sind köstlich, der Rosé ist gut gekühlt und unvergleichlich. Die Schatten werden länger, wir wollen zurück zu unseren Schiffen. Vor der niedlichen Fähre bilden sich lange Schlangen, wir überbrücken die Wartezeit in einer Eckbar, mit Blick auf sämtliches Geschehen. Zurück an Bord kocht Moni ihre unvergleichliche Lammpfanne. Wir haben Hochwasser, sind auf ähnlichem Niveau wie die Uferpromenade. Bei köstlichem Essen und erheiterndem Wein können wir an dem bunten Leben an Land teilhaben.

DONNERSTAG, 24. August 2017  (Les-Sables-d’Olonne – Bourgenay: 7 sm)

 

Der Morgen beginnt zeitig, ein urgesundes Basenmüesli aus dem Bestand von Martina erheitert nicht gerade Olafs Geschmackspapillen. Moni und ich gehen im kleinen Supermarkt einkaufen, auch die Markthallen suche ich noch auf. Schwerbepackt komme ich zum Schiff zurück, der nächste Hafen wird Bourgenay sein, da soll es nicht viel geben. Eigentlich wollte ich duschen, aber auf der nahen Werft wird staubintensiv gearbeitet, wir verlassen den Hafen, es weht kein Wind, wir motoren, erst an den unvermeidlichen Anglern vorbei, dann in die Bucht hinaus. Les-Sables-d’Olonne liegt im Sonnenschein. Olaf und ich sind unterschiedlicher Meinung, Olaf findet die Ansicht häßlich, ich kann Reize entdecken. Hotelburgen bestimmen das Bild, diese sind nicht neu, in charmante Jahre gekommen, so wie ich. Dazwischen leuchten Gebäude aus der Jahrhundertwende. Den linken Bildausschnitt bestimmt die große Kirche mit ihrem überragenden Turm. Ein schlechtes Gewissen will nicht weichen: die Beichtstuhlinspektion habe ich ausgelassen. Nach Les-Sables wird die Küste felsig, bekrönt von Wäldern. Kurz vor der Hafeneinfahrt legen wir eine Badepause ein, Moni und Jürgen ziehen nach. Der gutgelaunte Hafenmeister hat einen Boxenplatz für die „Ina“, wir legen uns an den Besuchersteg längsseits, Vereinskollege Krischan wird mit seiner Pablo später dazukommen und kann so unser Nachbar werden. Als wir uns an Bord der Ina erfrischen kommt die Pablo längsseits. Die Crew besteht aus Krischan, dem Quittje Roger, dem Sohn von Krischan und dessen Freund. Diese verwegene Crew hat die Strecke Hamburg – Ile de Re in 3 Wochen zurückgelegt, durch Sturm und Regen. In einem Restaurant am Hafen beschließen wir den Abend.

FREITAG, 25. August 2017  (Hafentag in Bourgenay)

 

Die Ina muß ihren bequemen Boxenplatz verlassen, dessen Eigner soll vorzeitig zurückkommen. Nun liegen 3 Schiffe mit wehendem Schwarz-Rot-Gold am Heck, im Päckchen nebeneinander. Ein schönes Bild, dieses will Krischan mit seiner Kamera festhalten. Im hinter uns liegenden Schiff scheint keiner an Bord zu sein, jedenfalls reagiert niemand auf das Klopfen. Als Krischan jedoch an Bord geht, erscheint der Eigner mißgestimmt im Niedergang. Nun gibt es durchaus vormittägliche Beschäftigungen, bei denen man sich ungern stören läßt, schon dreimal nicht von einem Deutschen, der paparazzomäßig auf dem Vorschiff steht, um 3 Schiffe zu fotografieren. Das Foto wird aber bestens geworden sein, sobald Olaf das Einpflegen des Bildmaterials wieder aufgenommen hat, wird der interessierte Leser es begutachten können. Wir nehmen einen Frühschoppen, danach winken wir der Pablo hinterher, sie müssen nach Foleux, sie können nicht in Zeit schwelgen, wie wir. Wir vier Verbliebenen machen uns auf den Weg zu einem Fisch- und Krustentierhändler. Die Sonne steht im Zenit und sengt auf das nicht mehr ganz dichte Haupthaar des Seglers Jürgen. Dieser schützt seinen Kopf mit einem Hut im Cowboystil. Er sieht aus wie Pa aus Bonanza. Der sandige Weg führt durch Kiefernwälder, einige Stämme sind derart gebogen, daß ich meine Zweifel habe, ob das Mutter Natur ganz alleine gemacht hat. Hin und wieder bleiben wir stehen um die grandiose Aussicht auf das Meer und die Klippen zu genießen. Wir haben Niedrigwasser und die „Fußfischer“ sind unterwegs. Doch leider bleibt nicht viel Zeit zum Verweilen, auch der Fischhändler erquickt sich in einer langen Mittagspause, und diese steht kurz bevor. Austern verschiedener Größen ahnen in großen Körben noch nichts vom bevorstehenden Tod, verschiedene Muscheln, Meeresschnecken, in großen Becken versuchen sich Butte zu verstecken, 2 Haie schwimmen elegant durchs Wasser, im nächsten Becken strecken Langusten ihre langen Fühler aus dem Naß, Hummer in allen Größen geben sich angriffslustig. Gerne hätte ich weiter geschaut, aber die Fischleute wollen pünktlich in die Mittagspause. Wir kaufen Langustinen und Lachs. Der Rückweg führt uns durch eine Golf- und Ferienanlage. Es ist heiß, der Weg weit, die Kehlen ausgedörrt, da kommt uns eine Bar wie gerufen. Abends essen wir die Langustinen und das Ceviche aus Lachs. Beides ist köstlich. Wir spielen Kniffel. Jürgen gewinnt, Moni und Olaf teilen sich Platz 2 und 3.

SONNABEND, 26. August 2017  (Bourgenay - Ile de Ré: 21 sm)

 

Erst mittags erlaubt es der Wasserstand den beschaulichen Hafen von Bourgenay zu verlassen. Das Wetter ist günstig, Sonnenschein und angenehmer Wind. Olaf will den Blister setzen, normalerweise stimme ich dem jubelnd zu, heute nicht. Die Vorpiek ist bis zur Luke voll- und dichtgepackt, mit viel Mühe habe ich alle Fender verstaut bekommen, der Blister liegt fast ganz unten. Das Ufer wechselt von Felsen zu Strand, von Wäldern zu kleinen Städtchen. Gegen halb fünf erreichen wir die Ansteuerung der Ile de Ré, das Fahrwasser ist eng und viel Wasser ist schon weggelaufen. Wir müssen unseren Kiel hochziehen, trotzdem bleiben wir in der Zufahrt hängen. In dieser dreiviertel Stunde schmore ich das Rinderkotelette. Halb sieben liegen Ina und Diva nebeneinander im putzigen Hafen von Ars en Ré, ruhig ist es hier. Das Rinderkotelette ist gar, ebenso die Kartoffeln und das Möhrengemüse. Nach dem Abendessen gehe ich in die Capitainerie, uns anmelden. Der attraktivste Hafenmeister, den meine Seglerinnenaugen jemals sahen, sitzt am Schreibtisch. Seine biskayablauen Augen blicken mich freundlich an, Lachfalten zeugen von Lebensfreude und Genußfähigkeit, seine antikblonden Haare signalisieren eine späte Jugend. Und ich stehe da, mit ausgelatschten Bootsschuhen, der Rock ist noch ganz nett, aber das unvorteilhafte Oberteil zeigt jedem, daß ich die Genüsse der französischen Küche zu schätzen weiß, keine Wimperntusche färbt meine schweinchenfarbenen Wimpern, kein Rot schmückt meine Lippen. Abends schlendern wir durch das traumhafte Ars en Ré. Die Häuser sind klein und weiß, die Sträßchen meist weißgefliest. Lampions beleuchten einladende Restaurants. In einer Bar nehmen wir ein durstlöschendes Bier.

SONNTAG, 27. August 2017  (Hafentag in Ars en Ré)

 

Jeden Tag ist Markt in Ars en Ré! Heute habe ich allerdings keine Zeit mich vom Markt verführen zu lassen, unwillig eile ich durch die Reihen, das Ziel ist der örtliche Fahrradverleiher. Es gibt leider nur ein elektrisches Fahrrad, also nehmen wir vier getretene. Bereits zu früher Stunde verbreitet die Sonne mehr als wohlige Wärme. Die Ile de Ré ist durchzogen mit Fahrradwegen. Angenehm fährt es sich auf den mit Brombeerhecken begrenzten Wegen, Schatten spenden mittelhohe Pinien. Weinreben wachsen links und rechts des Weges. Samtigrot leuchten die Trauben für Rot- und Roséwein, versteckt hinter grünen Blättern reifen die Trauben für den Weißwein. Weit schweift der Blick über die Salinen. Wenige Männer schieben mit langen Spateln das Salz hin und her. An einer Austernbar machen wir Pause. Es gibt Austern, Krevetten und Lachs, als Getränk ein Roséwein von der Insel. Serviert wird das Ganze von einer hübschen, fröhlichen, jungen Maid. Was der Einen der Hafenmeister ist dem Anderen die Austernmaid. Gestärkt radeln wir weiter und kommen nach St. Martin. Um das alte, eckige Hafenbecken reihen sich Restaurants und einige Galerien. Wir laufen etwas hin und etwas her, auch ein wenig auf der Stadtmauer entlang. Diesig liegt das Meer vor uns, kein Windhauch fächelt Kühle. Wir beschließen, nicht mehr zum Leuchtturm zu fahren, in unseren Hafen, duschen, etwas ausruhen! Abends essen wir in einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße, es wird seit einigen Jahren im Gault Millau erwähnt. Die Einrichtung ist schlicht, die Musik naja (Moni mag sie, ich nicht), die Bedienung ist sich der Würde ihrer Wirkungsstätte bewußt. Moni und Jürgen haben eine in Blätterteig gebackene Seezunge, Olaf Bandnudeln mit Gemüse und Kirschtomaten, ich Sauerkraut mit Hummer, Jakobsmuscheln und ein Stückchen vom Tagesfang. Vom Preis ausgehend hatte ich sättigende Mahlzeiten erwartet, wie gesagt: erwartet. Aber die niedlichen Baguettes und die ansehnlichen Nachtische ließen doch irgendwann das Magenknurren verstummen. Es hat alles über die Maßen köstlich geschmeckt!

MONTAG, 28. August 2017  (Ile de Ré - La Rochelle: 20 sm)

 

10.15 Uhr verlassen wir den beschaulichen Hafen von Ars en Ré. Ruhig gleitet Diva durchs Wasser, keine Welle fordert den Gleichgewichtssinn, wo keine Welle da kein Wind, wo kein Wind da keine Segel, wo keine Segel da muß Motor. Rechts zieht die Ile de Ré mit den weiten, sandigen Stränden an uns vorbei. Steilküsten schließen sich an, über allem scheint die Sonne. Wir motoren unter der riesigen Brücke, welche die Ile de Ré mit dem Festland verbindet, hindurch. Eine Ovni kreuzt unseren Weg. Fröhlich winkt der Franzose, weiß blinkt sein Popo. Es gibt sie doch, die Freunde des textilfreien Sonnensegelns. Der Hafen von La Rochelle kommt in Sicht. Rechts der Einfahrt erstreckt sich eine Urlaubsidylle, Sand und Strand, Dünen, links der Einfahrt erschrecken erstmal Industrieanlagen, daneben sehe ich helle Steilküsten, oben bewaldet. Gleich hinter der Einfahrt tummeln sich Badende und Sonnende auf einem vergleichsweise winzigen Stückchen Strand, schöne Häuser, imposante Villen, auf der geschichtsträchtigen Stadtmauer stehen Häuser in Reihe, teils mit sehr morbidem Charme. Zwei mächtige Wachttürme aus hellem Sandstein bilden die Einfahrt zum alten Hafen. Rund um das rechteckige Hafenbecken haben sich Restaurants, Belustigungsbetriebe und das unvermeidliche Kinderkarussell angesiedelt. In diesem Hafen könnten wir auch festmachen, es ist uns aber zu turbulent. Wir bevorzugen den modernen Jachthafen, nach eigenen Angaben der größte Europas. Kleine Fähren wuseln im Hafengebiet herum, wir nehmen eine um nach Alt-Rochelle zu kommen. Eine warme Nacht schmeichelt Körper und Geist, leider räumt die bevorzugte Bar von Moni und Jürgen bereits die Stühle, welche um bunte Fässer standen, zusammen. Morgen um acht machen sie wieder auf. Selbst für meinen Geschmack etwas zu früh für eine Bar.

DIENSTAG, 29. August 2017  (Hafentag in La Rochelle)

 

Eine heiße Nacht, wir decken uns lediglich mit unseren dünnen Sommerdecken zu, damit habe ich gar nicht mehr gerechnet. In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages geht es mir gar nicht gut. Was da passiert will und werde ich nicht schreiben. Den ganzen Tag ist es heiß, meine Körpertemperatur beträgt 38 Grad, mir ist elend, und ich wünsche mich in die kühle Erde von Ohlsdorf. Den ganzen Tag leide ich vor mich hin. Jürgen und Olaf nutzen diese Zeit um den neuen Boiler in die Ina einzubauen. Abends gehen die Drei essen.

MITTWOCH, 30. August 2017  (La Rochelle – Ile de Oléron: 11 sm)

 

Das Leben hat mich wieder! Kurz vor Mittag verlassen wir die Marina von La Rochelle. Schnell pustet uns der Wind die lächerlichen elf Meilen zur Ile de Oléron. Die Insel ist flach und grün, von Sandstränden gesäumt. Kurz vor der Einfahrt zum Hafen St. Denis de Oléron fängt es an zu regnen. Durchnäßt erreichen wir den Besuchersteg, wir werden von Moni, Jürgen und einem genervten Hafenmeister erwartet. Für den zugewiesenen Steg sind wir zu lang, wir müssen verholen, noch immer regnet es. Die Laune des wuschelköpfigen Hafenmeisters wird nicht besser, warum wir nicht gefunkt hätten…Den restlichen Tag verbringen wir an Bord der Ina. Moni hat ein köstliches Flanksteak zubereitet.

DONNERSTAG, 31. August 2017  (Hafentag in St. Denis)

 

Verschiedene kleine Busse verkehren auf der Ile d‘Oléron, deren Nutzung ist kostenlos. Es regnet nicht, der Himmel ist leicht bedeckt, entspanntes Busfahrundinselerkundungswetter. Der erste Busfahrer an diesem Morgen ist ein gar fröhlicher Geselle, seine Fangemeinde besetzt die vorderen Plätze, schwatzend und lachend. Auf großen Flächen wird Wein angebaut, schwarzbunte und braune Rinder stehen auf Weiden, die oft mit Feldsteinen begrenzt sind. Manche Häuser sind ebenfalls aus Feldsteinen gemauert, die meisten sind weiß getüncht, blaue Fensterläden schützen vor sommerlicher Hitze. Die Vegetation erinnert an südliche Gefilde, Oleander blüht verschwenderisch, Palmen wachsen meterhoch, auch Olivenbäume gibt es. Im kleinen Hafen von Boyardville pausieren wir. Die vertrauten Restaurants beleben das Ufer. Wir besteigen einen weiteren Bus, die Fahrerin ist jung und eine Freundin der rasanten Fahrt, auch in den engen Gassen der Dörfer. Das zersplitterte Glas des linken Außenspiegels gibt Zeugnis davon. In La Cotinière steigen wir aus, es ist Mittagszeit. Ein Restaurant in der ersten Etage, mit Blick über das Hafengeschehen, lockt zum Schmause. Eine strenge Busfahrerin, welche es nicht erlaubt, daß ein Jüngling mit freiem Oberkörper in den Bus einsteigt, bringt uns in unseren Hafen zurück.

DES RÄTSELS LÖSUNG

 

Unter den Einsendern können wir uns nicht entscheiden, alle sind richtig, also gibt es für jeden eine Flasche Cava.

 

Glückwunsch an Annekatrin, Aline und Mvuvi.

 

Dieses außerordentlich bordtaugliche Haushaltssieb heißt bei uns jetzt auch

chapeau klapp.

FREITAG, 1. September 2017  (Hafentag in St. Denis)

 

Die dritte Übernachtung in diesem Hafen ist kostenlos! Aber nicht nur deswegen bleiben wir, es ist hübsch hier und jeden Tag ist Markt in St. Denis. Dieser ist nicht groß, lediglich 2 Stände mit Obst und Gemüse gibt es, den Rest teilen sich Pfannenanbieter, Matratzenhändler, Korbwarenverkäufer und Textilienhöker. In der Markthalle sind 3 Fisch- und Krustentierstände. Heute Abend soll es diese herrlich zarten Bohnen zur Vorspeise geben, danach Fischfilets an Petersilien-Butterkartoffeln. Zügig erledigen Moni und ich die Einkäufe, danach drängt mich Moni in die Kirche, welche den Marktplatz überragt, ich hätte meine Beichtstuhlinspektion sehr vernachlässigt, in der letzten Zeit. Die Kirche wurde aus hellem Sandstein gebaut, schöne Verzierungen und filigrane Ornamente erfreuen am Eingang. Das Innere der Kirche ist schlicht, 2 Votivschiffe schaukeln unter der rundbogigen Kirchendecke. Der Zustand des kleinen Gotteshauses ist bedenklich, eine geschickte, handwerklich begabte, Hand wäre vonnöten. Es sind keinerlei Beichtstühle vorhanden. Ich befinde mich gerade in der Vorbereitung des mir zugedachten Abendessenanteils, als ein Segelschiff in den Hafen einläuft, auf dem Vorschiff bläst ein Mann kräftig in den Dudelsack. Er scheint das recht gut zu können, 2 Lieder erkenne ich. Die Herren und die Dame scheinen schon das eine und das andere Getränk genommen zu haben, jedenfalls legen die einen scheppernden Anleger hin, welcher alles Vorangegangene in den Schatten stellt. Wir verzehren unser wohlschmeckendes Abendessen, als die Crew des scheppernden Schiffes sich zum Landgang aufstellt. Zwei haben sich in den Kilt geworfen.

Fort Boyard

SONNABEND, 2. September 2017  (Ile d’Oleron - Ile d’Aix: 9 sm)

 

Bei der Vorbereitung zum Ablegen komme ich mit einem Crewmitglied des Schepperschiffes ins Gespräch. Es sind Franzosen, dem Gälisch-Keltischen zugetan und auf der Rückreise von diesem Celtic-Festival in L‘Orient, wo Olaf und ich hinwollten, dann aber doch die Lust verloren hatten. Jetzt ärgert mich dieses. Gegen zwölf Uhr verlassen wir den Hafen von St. Denis. Es weht nur wenig Wind, und der genau von vorne, also lassen wir die Segel eingepackt und motoren. Wir umrunden das Fort Boyard, vom Sonnenkönig gewünscht, von Napoleon versucht und zu einer Zeit, als es nicht mehr sinnvoll war, fertiggestellt. Es ist eine ovale Festung mitten im Meer. Mercedesreifengroße Quallen schwimmen im Wasser, kurze Zeit später erreichen wir das sandige Eiland von Aix. Die Inacrew und die Divacrew angeln sich jeweils eine Mooringtonne. In den 14 Euro, welche das Liegegeld an der Tonne beträgt, ist der Transfer Schiff-Land-Schiff inbegriffen. Die dunkelhaarige Hafenmeisterin fegt mit uns in ihrem Schnellboot an Land. Wir spazieren an den Hafenanlagen entlang, auf der Festungsmauer und durch den Ort. Eine entspannte Atmosphäre liegt über dem Ort, vielleicht liegt es an dem Fehlen von Autos. In einer karibisch anmutenden Bar laden uns Moni und Jürgen zu Muscheln und Getränken ein. Ein angegrautes Brautpaar schreitet gemessenen Schrittes die Dorfstraße hinunter zur Mairie. Es soll nicht das Einzige bleiben heute. Wir erkunden weiter. Bei dem Austernwirt, den uns Moni und Jürgen zeigen wollen, feiert eine Hochzeitsgesellschaft. Eine weitere treffen wir auf dem Weg zurück zum Hafen. Auf der Ile d’Aix berührte Napoleon das letzte Mal französischen Boden, bevor er endgültig verbannt wurde, nach St.Helena. Heute haben wir unseren Abschiedsabend, Moni und Jürgen werden morgen früh Richtung Foleux segeln, wir wollen noch ein Stückchen nach Süden. In grauer Vorzeit hatte ich mir bei Manufactum ein Waffeleisen gekauft, welches auf offenem Feuer betrieben werden muß. Bereits in Harburg hatte ich mir mit diesem Gerät die Küche verdreckt, und ich weiß wirklich nicht, welcher Teufel mich reitet, daß ich heute Abend unbedingt Käsewaffeln backen will. An unserem Abschiedsabend gibt es kühlen Roséwein von der Insel Oléron, dazu Käsewaffeln, welche nicht schlecht schmecken, aber die Pantry muß saniert werden.

SONNTAG. 3. September 2017  (Ile d’Aix – Rochefort: 20 sm)

 

Früh halb acht, mit dem letzten ablaufenden Wasser, fährt Ina Richtung Norden davon. Olaf winkt ausgiebig, als ich meine müden Arme endlich winkfertig habe, verschwindet die Ina als kleiner Holzpunkt am Biskayahorizont. Danach verschlafen Olaf und ich das Niedrigwasser, als wir genug Wasser unter dem Kiel haben fahren wir los. Das Barometer ist bedenklich gefallen, der Wind kommt von vorn und es sind nur knappe 10 Meilen bis in die Mündung der Charente, also bemühen wir unseren BMW, den Schiffsmotor. Am Ufer zeugen mächtige Festungsanlagen von kriegerischen Zeiten. Wir erreichen die Mündung des Flusses. Über die Ufer der Charente fallen mir keine aufregenden Beurteilungen ein. Das Ufer ist flach, mittelhoch bewachsen, dahinter grünt oft Wald. An den Ufern stehen auf abenteuerlichen Holzkonstruktionen Fischerhütten, daran erkennbar, daß Senker davorhängen. Mit diesen absenkbaren Netzen werden Fische gefangen. Das lohnt sich offensichtlich, denn eine Fischerhütte auf Stelzen reiht sich an die nächste. Dieses erstaunt mich, denn das Wasser ist gelblich-bräunlich, vom aufgewühlten Sediment. Es ist später Mittag, Rochefort kommt in Sicht. Die winzige Schleuse zum Hafen ist geschlossen, wir binden am Wartesteg an. Auf dem Weg zur Capitainerie bekommen wir einen ersten Eindruck. Die kleine Hafenbar verkündet auf einem Schild, daß die Saison 2017 beendet sei. Die Hafenmeisterin schenkt uns eine Jutetasche mit Informationsmaterial, darüber freuen wir uns, vor allem über die Jutetasche. Wir haben Zeit, das Schleuschen wird erst in 2 Stunden öffnen. Olaf kümmert sich um das Schlauchboot, welches entlüftet werden muß, ich mich um die Pantry, welche grundgereinigt werden muß. Ein schöner, allerdings sehr enger, Liegeplatz im Becken „Bougainville“ wird uns zugewiesen. Als wir fest und sicher liegen fängt es an zu regnen. Unter unserem kleinen „Wintergarten“ nehmen wir die Abendmahlzeit ein. Müdigkeit umfängt uns, Olaf schläft bereits seit viertel nach acht, ich gehe jetzt auch in die Koje.

MONTAG, 4. September 2017  (Hafentag in Rochefort)

 

Bis in die frühen Morgenstunden hat es geregnet. Nun liegt Rochefort frischgewaschen vor uns. Rochefort war das größte Marinearsenal Frankreichs, Berühmtheit erlangte Rochefort auch, weil Napoleon nach seiner Niederlage bei Waterloo von hier aus nach Amerika ausschiffen wollte, was ihm bekannterweise nicht gelang. Weiterhin ist Rochefort die Partnerstadt von Papenburg. In der Gegend um den Hafen wird aufwändig renoviert, ansonsten wirkt die Stadt sehr in die Jahre gekommen, mir gefallen die renovierungsbedürftigen, hellen Häuserzeilen, schmiedeeiserne Gitter zieren die französischen Balkone. Einige sehr schöne Gebäude gibt es, das Rathaus mit seinem großen Vorplatz und dem Brunnen gehört dazu. Im überschaubaren, gemütlichen Hafen liegen, wie überall, total heruntergekommene Schiffe, völlig verwahrlost, selbst festgebunden im sicheren Hafen würde ich mich auf denen nicht sicher fühlen, Angst vor Pilzerkrankungen hätte ich außerdem. Bei unserem abendlichen Spaziergang stellen wir erstaunt fest, daß einige dieser Seelenverkäufer offensichtlich bewohnt sind, Licht schimmert durch die teilweise vorhandenen Luken. Wir wollen unbedingt noch einen Gutenachttrunk nehmen. Die Stadt ist wie ausgestorben, ganze Häuserzeilen scheinen leer zu stehen, die einzige Bar, welche noch geöffnet hat, befindet sich auf dem Platz vor dem Rathaus, in einer Baumgruppe haben tausende starähnlicher Vögel ihren Schlafplatz bezogen, noch sind sie allerdings dabei, sich gegenseitig lautstark das Tagesgeschehen zu erzählen. Unvermittelt fliegen sie auf, es verdunkelt sich der Himmel.

DIENSTAG, 5. September 2017  (Rochefort - Mooringtonne in der Charente: 4 sm)

 

Bestückt mit Einkaufstaschen und frischem Geld federe ich Richtung „Les Halles“, heute ist Markttag. Wie so oft verläßt mich die Orientierung, ich frage eine nicht mehr ganz junge Dame nach dem Weg. Diese hat wohl keinen Sozialpartner, jedenfalls erzählt sie mir endlose Familiengeschichten, von denen ich nicht viel verstehe. Dann zeigt sie mir auch noch Fotos von ihrer Tochter. Leider habe ich so gar keine Zeit, sonst hätte ich ihr auch Fotos von unseren Kindern gezeigt, diese sind nämlich viel, viel hübscher als ihre. Das meint zwar jede Mutter, aber bei mir stimmt es. Wenigstens sagt sie mir den Weg zum Markt. Auf dem Markt fällt mir die Entscheidung schwer, alles könnte ich kaufen, aber die Kühlmöglichkeiten sind begrenzt. Selbstverständlich müssen es wieder Artischocken sein, tagesfrischer Broccoli, Salat. Die Melonen sind aus der Gegend und duften verführerisch. Konzentriert schnuppert sich der freundliche Marketender durch einen Berg von Melonen um mir eine zu verkaufen, die wir heute oder morgen essen sollten, auch kleine Nektarinen, aus seinem eigenen Garten, lasse ich mir einpacken, diese sind aromatisch, saftig, unvergleichlich. Bei unserer anschließenden, späten Morgenmahlzeit müssen wir keine Eile an den Tag legen, es regnet kräftig. Danach besichtigen wir die Cordiere royal, ein sehr langes Gebäude, in dem früher Seile hergestellt wurden. Leider sind die in der Werbung offerierten Audiguides der Neugestaltung der Ausstellung noch nicht angepaßt und somit nicht verfügbar, das ist sehr bedauerlich, die Erklärungen sind ausschließlich auf französisch, Olaf versteht nicht viel und ich wenig. Danach brauchen wir eine Erfrischung. In der Bar erkennt uns der wieselflinke Kellner und fragt, ob wir das Gleiche wie gestern haben wollen. Wir haben ein Kombiticket gekauft, darin enthalten ist auch der Eintritt in das Marinemuseum, also müssen wir dahin, auch wenn wir jetzt lieber weiter in der Bar an der turbulenten Straße sitzenbleiben würden, biertrinkenderweise. Im Marinemuseum sind die Audioguides verfügbar, auch auf deutsch. Das ist hilf- und lehrreich. Wir müssen zwar nicht hetzen, aber dennoch sollten wir zügig zum Hafen zurückkehren. Viertel vor sechs öffnet die Brücke, danach das Schleuschen. Beides wollen wir durchfahren, denn wir werden heute Rochefort verlassen. Alles klappt wie eine Tür im Zugwind, wir fahren raus auf die Charente, gelb fließt der Fluß, gelb scheint die Sonne, gelb sind die Kühe, die am Ufer grasen. Eine Schwebefähre verbindet die Ufer der Charente, nur nicht jetzt, die Fähre wird nämlich repariert. Wir fahren unter der riesigen Brücke hindurch, Männer arbeiten in schwindelnder Höhe, mich schauderts. Wenig später greifen wir uns eine Mooringtonne, sicher liegen wir im Strom. Salat und Artischocken sind unsere figurfreundliche Abendmahlzeit. Nach langer Zeit spielen wir mal wieder Schach, ich verliere. Ich fordere Olaf zum Tridomino, auch da verliere ich.

MITTWOCH, 6. September 2017  (Mooringtonne Charente - La Rochelle: 46 sm)

 

Mein Ansinnen, ein Morgenbad zu nehmen, findet Olaf gewagt. Nicht wegen der Wassertemperatur, die beträgt nämlich behagliche 20 Grad, sondern wegen der 2 Knoten Strömung, mit der die Charente Richtung Biskaya fließt. Ich solle sehr vorsichtig sein, Badefender raushängen, nicht übermütig werden…..nicht, daß ich splitterfasernackt auf der Ile de Ré angespült werde….Nun habe ich schon gar keine Lust mehr, weil ich es aber gesagt habe, daß ich schwimmen gehe, gehe ich dann auch. Schon beim runterklettern der Badeleiter erkenne ich, daß ich auf keinen Fall die rettende Strebe aus der Hand lassen darf. 2 Knoten Strom sind verdammt schnell. Ich schwimme nicht, ich halte mich mit weißen Handknöcheln an der Badeleiter fest und erklimme nach kurzer Zeit die rettende Badeplattform. Danach binden wir von der Mooringtonne los und motoren aus der Charente . Links liegt malerisch die Ile de Madame. Wir setzen Segel, bei Sonne und nettem Wind sind wir schnell in La Rochelle. Schon von weitem sehen wir ein riesiges Kreuzfahrtschiff, welches außerhalb des Hafens festgemacht hat. An der größten Marina Europas fahren wir zügig vorbei, wir machen im ersten Becken des alten Hafens fest. Ein weiteres Becken gibt es, dieses ist durch eine Schleuse versperrt. Noch ist es Nachmittag, wir wollen uns La Rochelle anschauen, bei unserem letzten Besuch habe ich herzlich wenig gesehen. Auffallend viele Liebhaber des eigenen Geschlechts, des männlichen, sind unterwegs. Es ist ruhige, romantische Nachsaison, die Familien mit den Kindern müssen ihren Tagwerken wieder nachgehen, diese Ferienzeit bevorzugt diese Klientel. Es sind aber wahrhaft sehr, sehr viele. Sie treten auf in Gruppen und Grüppchen, lachen in den Restaurants, schieben sich durch die Boutiquen, quietschen vor Vergnügen in den Bars, und sie sprechen englisch, besser, amerikanisch. Olafs Blick in sein Smartphone bestätigt unsere Vermutung: Das riesige Kreuzfahrtschiff hat dieses verträumte La Rochelle mit über 2300 Homosexuellen aus Amerika geflutet. Wir kommen an die bevorzugte Bar von Moni und Jürgen. Diesmal stehen die bunten Fässer vor der Tür, dort ist kein Platz zu kriegen. Drinnen in dieser pittoresken Bar finden wir 2 Hocker, wir nehmen ein typisches Getränk, das gibt es in weiß, rot und grün. Es wird in Schnappflaschen verkauft, aber auch in fingerhutgroßen Gläsern. Wir sind vorsichtig und probieren die Fingerhüte, von jeder Farbe einen. Da wir nicht genau wissen was es ist und wie die Wirkung sein wird, belassen wir es bei dieser Kostprobe. Die Einfahrt des Hafens wird von 2 monumentalen, sandsteinernen Türmen überwacht, jetzt, bei Dunkelheit, sind deren Fenster beleuchtet, das erinnert mich an die „Rocky Horror Show“.

DONNERSTAG, 7. September 2017  (Hafentag in La Rochelle)

 

Die Markthalle von La Rochelle ist ein Bau aus dem vergangenen Jahrhundert. Ein Turm mit einer Glocke ziert den Haupteingang. In der Halle und drumherum bieten die Händler laut ihre Ware an, es ist schwer sich zu entscheiden. Diese Bar, welche mittlerweile auch in unsere Favoritenkiste gehört, öffnet um 10.00 Uhr. Nach dem Markteinkauf nehmen wir einen Frühschoppen. Noch muß der Wirt wenig Gäste bedienen, also frage ich ihn nach den Zutaten des äußerst schmackhaften Getränks. Es ist nur Wein, aromatisiert mit Früchten, aufgefrischt mit kohlesäurehaltigem Mineralwasser. Wir mögen das rote am liebsten, das weiße ist auch nicht schlecht, das grüne schmeckt uns zu künstlich. Viele Deutsche schlendern durch La Rochelle, fast immer paarweise, gemischtgeschlechtlich, leise sich gegenseitig auf Besonderheiten aufmerksam machend, den bedeutenden Reiseführer mit Spickzetteln versehen, Typ Lehrer im Ruhestand. Ein Blick in das Smartphone gibt Aufschluß: das Kreuzfahrtschiff „Berlin“ hat im Hafen festgemacht. Die Kirche „Saint-Sauveur liegt auf unserem Weg. Ein hoher Kuppelbau, weißgetüncht, mit einigen, schönen Stuckornamenten, ansonsten eher schlicht. Über den unteren Fenstern gibt es eine Galerie mit weiteren Fenstern. Die Beichtstühle sind ein Skandal, es gibt 3 davon: der erste ist mit Werbeplakaten für eine Pilgerfahrt verstellt, der zweite ist mit solchen Plakaten zugeklebt, im dritten stehen im Beichtvater-Séparée nicht gebrauchte Tische und ein großer Karton mit Bittbriefen, in den Büßerkabinen liegt Unrat. Wir müssen zurück zum Schiff, der eingekaufte Fisch sollte in die Kühlung. Vor uns am Steg liegt die „Show“, ein Schiff aus Hamburg, wir trafen uns schon mal kurz auf der Ile de Groix, sie fuhren raus aus dem Hafen, wir fuhren rein in den Hafen. Wir verabreden uns für später in bekannter Bar. Knut ist ein Cousin von Jan aus Wedel, ihm gehört das Schiff. Klaus segelt mit ihm, für ihn ist morgen der Törn zu ende. Es wird ein lustiger Abend in der Bar, mit bunten Getränken. Anschließend machen wir eine kleine Weinverkostung an Bord der Diva. Das wird hart werden, für den armen Klaus, er muß morgen sehr, sehr früh aufstehen.

FREITAG, 8. September 2017  (La Rochelle - Les-Sables-d’Olonne: 43 sm)

 

Der Himmel ist bedeckt, der Wind weht moderat. Windfinder verrät uns, daß es auffrischen soll, also lassen wir das Reff im Großsegel. Außerhalb des Hafens pustet es mit 5 Windstärken, das ist Divawind, souverän und elegant gleitet sie durchs Wasser, durch Wolkenlücken scheint die Sonne und läßt die Strände grell blinken. Wir segeln im Windschatten der Insel Ré, plötzlich wird es flach, sehr flach, zu flach. In Windeseile reiße ich die Segel runter, Olaf schmeißt den Motor an und wir ziehen den Kiel hoch. Unter Motor mogeln wir uns über die Flachs. Als die Insel Ré hinter uns liegt können wir wieder segeln. Früher als von Windfinder prophezeit nimmt der Wind an Stärke zu, eine hohe Atlantikwelle ersetzt uns die Fahrt mit der Achterbahn. Die Windanzeige erschreckt mich mit sechseinhalb Beaufort. Wir haben Diva ein zu großes Vorsegel angezogen, an einen Wechsel ist nicht zu denken. Olaf findet alles noch im Rahmen, mir krängt das Schiff viel zu sehr. Olaf sieht es praktisch, auf diese Weise wird das Deck gewaschen. Ich schelte mich, daß ich gestern abend in der Bar von „beschaulichem Rentnersegeln, ohne große Herausforderungen“ geschwafelt habe, nun habe ich den Salat! Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Bei 7 Windstärken entscheide ich in einem Ton, der keinen Widerspruch duldet, daß die Genua eingeholt wird. Das ist nicht einfach, aber danach fühle ich mich sicherer. Halb sechs erreichen wir den langen Kanal, der in den Hafen von Les-Sables-d’Olonne mündet. Um sechs machen wir am Steg fest, 5 helfende Franzosen wollen unsere Leinen annehmen. Am liebsten mache ich das alleine, aber ich will die netten Segler nicht düpieren. Wir bauen unseren kleinen Wintergarten auf und sitzen froh, warm und gemütlich halbdraußen, während um uns herum die Welt im Regen versinkt.

SONNABEND, 9. September 2017  (Hafentag in Les-Sables-d’Olonne)

 

Ganz fest habe ich geschlafen, die 3 Fischkutter, die lautstark nachts rausgefahren sind habe ich nicht gehört, genauso wenig, daß irgendetwas an unser Schiff gepoltert hat. Olaf erzählt mir das am Morgen. Es muß auch ziemlich gestürmt haben in der Nacht, das Gepolter am Schiff war unsere Nationalflagge, die sich aus der Verankerung gerissen hat. Heute findet die „Grande Bordée“ statt, ein Fest von den Menschen auf See für die Menschen an Land (so meine Übersetzung, kann stimmen, muß aber nicht). Viele Schiffe sind über die Toppen geflaggt, vor allem die Fischkutter. Drüben, auf der anderen Seite erklingt bereits Musik. Wir besteigen die kleine Fähre, welche uns zu dem Geschehen übersetzt. Verschiedene Stände und 3 kleine Bühnen sind aufgebaut. Als Piraten maskierte Büroleute kommen uns entgegen, Frauen tragen ortsübliche Tracht, auch sie haben hohe Hauben, anders als die Bigoudenhauben in der Bretagne, aber ähnlich hoch. Am Kai liegt ein Piratenschiff mit spanischer Flagge, ein Stück weiter singen auf einer großen Bühne französische Seemänner französische Seemannslieder, eine Menge Holzbänke und -tische sind vor der Bühne aufgebaut. Es gibt Muscheln mit Pommes, oder Pommes mit Merguez. Von fröhlichen Freizeitwirten wird Cidre vom Faß ausgeschenkt. Wir gehen weiter, und zwar zügig, zu dem anderen Hafenbecken, dorthin, wo wir beim letzten Besuch die leckeren Tapas sehen, aber nicht mehr bestellen konnten, weil die Küche Mittagspause hatte. Heute haben wir Glück, wir schnabulieren Tapas, dazu trinken wir fruchtigen, aber dennoch trockenen Roséwein. Hochbehaubte Frauen in ihren Kostümen erfreuen sich an alkoholischen Getränken, das ist unterhaltsam. Die geschmückten Fischkutter veranstalten Rundfahrten durch den Hafen, die Kutter sind bunt und die Gäste auch, es ist ein schönes Bild. Leider stört die eine und die andere Regenhusche. Olaf hat Schlafnachholbedürfnis, ich mache also allein einen kleinen Abendspaziergang. Die Stadt ist, außerhalb der Straßen an Hafen und Strand, ausgestorben. Zufällig komme ich in das Quatier de Lile Penotte. Phantasievolle Muschelverzierungen umranden Fenster und Türen, aufwändige Wandbilder, auch aus Muscheln, zeugen von Kreativität und Liebe zum Meer. Es ist frisch und stürmisch, morgen wollen wir weiter, hoffentlich weht es dann weniger.

SONNTAG, 10 September 2017  (Les-Sables-d’Olonne - St. Gilles Croix de Vie: 24 sm)

 

Der Altweibersommer, auf den ich setzte, will einfach nicht stattfinden. Es regnet nicht, die Sonne scheint verhalten, es weht ein frischer Wind. Einige Schiffe haben bereits abgelegt, halb elf machen auch wir uns auf den Kiel. Der Wetterbericht verspricht maximal vier Windstärken, wir haben also das Vorsegel nicht gewechselt, das Reff aber vorsichtshalber belassen, man weiß ja nie. Ich mag es nicht, wenn das Großsegel gerefft ist, selbstverständlich weiß ich, daß es wichtig sein kann, aber es entsteht eine Unordnung beim Auftuchen des Segels, die mir nicht gefällt. Ein wunderschöner Regenbogen überspannt die Hafenineinfahrt, es tröpfelt ein bißchen. Aber nun sind wir draußen auf der Biskaya, wir setzen alles, was wir an Segeln haben, und gleiten dahin. Es ist schön, wir Drei genießen die rasante Fahrt, Baßtölpel umfliegen Divas Mast, die Sonne hat sich erfolgreich gegen die Wolken durchgesetzt. Wir sind schnell, zu schnell, Um nicht zur ungünstigsten Tidenzeit in den Hafen von St. Gilles Croix de Vie einlaufen zu müssen holen wir die Genua ein. Jammerjammerschade ist das, es läuft so gut. Über Funk hat Olaf den Hafenmeister von unserer Ankunft informiert, nun steht er am Steg und weist uns den Liegeplatz zu. Unsere Diva ist 11.70 Meter lang, der Liegeplatz elfmeterfünfundsiebzig, das ist ein enges Höschen, selbst die Spaziergänger auf der Mole lassen sich dieses Schauspiel nicht entgehen. Aber das Erschrecken der Vor- und Hinterunslieger ist unnötig, kurze Zeit später liegen wir beispielhaft vertäut am Steg.

MONTAG, 11. September 2017  (Hafentag in St. Gilles Croix de Vie)

 

Achtzehnhundertvierundachtzig hat ein Monsieur Bénéteau hier in St Gilles an dem Fluß Vie eine Werft gebaut, robuste Segelschiffe für die Fischer wurden hergestellt. Jahre später fertigte die Werft Bénéteau motorbetriebene Fischerboote. Viele Jahre sollte das eine Erfolgsgeschichte bleiben, bis sich die darauffolgende Generation auf den Bau von Segelschiffen für das Vergnügen fokussierte. Das alles in diesem doch recht beschaulichen Städtchen. Wir nehmen all unsere leeren Flaschen und sonstigen Gefäße und traben zur Weinhandlung, die aus großen Fässern in mitgebrachte Gebinde Wein abfüllt. Gut bepackt für die nächst anstehenden Getränkeverkostungen begeben wir uns wieder an Bord. Später machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort, alles wirkt schon eingepackt und weggestaut für die nächste Saison. Die Eisdiele, wo wir vor wenigen Wochen noch allerbeste Schleckerware kaufen konnten, zu, geschlossen!

DIENSTAG, 12. September 2017  (St.Gilles Croix de Vie - La Baule-Le Pouliguen: 47 sm)

 

Beim Hafenschlachter, der mit allen erhältlichen Medaillen und Auszeichnungen wirbt, beginne ich meine Einkaufstour. Der Stolz, mit dem die Schlachter ihre Ware zeigen, begeistert mich immer wieder. Erst wird der Schinken präsentiert, dann die erste, geschnittene Scheibe, immer das Wohlwollen des Käufers suchend, die Sorgfalt, mit der sie eine Scheibe Fleisch abschneiden ist rührend, zu den Patés, die ich sehr gerne kaufe, erzählen mir die Freunde der Schlachtkunst blumige Geschichten, die ich mit Lachen kommentiere, aber leider kaum verstehe. Die Schäkerei mit den Schlachtern hat mehr Geld gekostet als veranschlagt, nun muß ich beim Gemüse- und Salateinkauf auf dem angrenzenden Markt vorsichtig sein. Ein Viertel Kohlkopf kostet vierzig Cent, 2 -Wurzeln 30 und 2 Tomaten kann ich uns auch noch leisten. 10.30 Uhr machen wir die Leinen los. Erst müssen wir motoren, der Wind kommt direkt von vorne. Dann können wir abfallen, die Sonne scheint, ein traumhafter Segeltag beginnt. Ewig könnte ich so weiterschippern! „Laß‘ uns nach links abbiegen!“ fordere ich Olaf auf, aber er will nicht. Tidenmäßig ungünstig sind wir vor der Einfahrt zum Hafen von La Baule….Olaf macht den Skipper an der Pinne und ich stehe unter Deck bei der Kielwinde, immer bereit im entscheidenden Moment den Tiefgang von Diva zu verringern. 18.30 Uhr machen wir am Besuchersteg im alten Hafen von La Baule fest.

MITTWOCH, 13. September 2017  (Hafentag in La Baule-Le Pouliguen)

 

Olaf geht erst zur Hafenmeisterin zwecks Anmeldung, dann zur Bäckereifachverkäuferin, zwecks Früchstücksbereicherung. Nach der Einnahme der erquickenden; ersten Mahlzeit erkunden wir das Dorf, oder die Stadt, ganz nach Geschmack. Meist schöne Häuser, gerne feldsteinverklinkert, säumen kopfsteingepflasterte Straßen. Wir sind wieder in der Bretagne, die Häuser tragen Namen, die mit „Ker“ beginnen. Um das rechteckige Hafenbecken stehen teils wunderschöne Villen, Restaurants locken mit Speisenkarten, die fast jede Geschmacksrichtung bedienen. Wir kommen zu den Hallen. Ein moderner, großzügiger Freiluftbau. Die Marktstände sind zu dieser Zeit längst abgebaut. Die Sonne scheint, wir steuern auf eine kleine Bar am Strand zu. Hunde seien hier strikt verboten, heißt es auf einem Schild. Aber wir sind in Frankreich! 2 Hunde tummeln sich im Sand. Ein großer, undefinierbarer Rasse, ein kleiner, Chihuahua oder ähnlich. Auf jeden Fall ist der kleinere das Männchen, gut zu beobachten aus unseren bequemen Strandsesseln. Mit einem Getränk in der Hand können wir den geschickten Fortpflanzungsbemühungen der sehr unterschiedlich großen Hunde beiwohnen.

DONNERSTAG, 14. September 2017  (Hafentag in La Baule-Le Pouliguen)

 

Hat das wieder geregnet und gestürmt letzte Nacht! Irgendetwas pochte auch permanent an unser Schiff. Zweimal hat Olaf versucht den Grund zu finden, erst beim dritten Mal ist er erfolgreich. Unsere Nationalflagge saß nicht richtig fest in der Verankerung. Darauf muß man erstmal kommen! Beim Schlürfen des ersten Kaffees klopft es an unser Schiff. Wir mögen doch bitte unser Schiff verholen, der Platz würde gebraucht, die wunderschönen, schnittigen Drachensegler, welche wir bereits ausgiebig bewundert hatten, sollten ins Wasser gesetzt werden. Dem wollen wir keinesfalls im Wege stehen. Der neue Platz ist an einem Ausleger, Strom, Wasser, alles da. Auch der Blick ist schöner, über einen Teil des Hafens und raus auf die Biskaya. In Erwartung aufregenenden Marktgeschehens suche ich die Hallen auf. Muscheln will ich unbedingt kaufen, diese in einer Tomatensauce zubereiten, dazu leicht-luftig-lockeres Baguette, bestrichen mit Aioli…Nix da, immer, auf allen Märkten, gab es Muscheln, hier nicht. Die Sonne scheint, aber es weht selbst an unserem geschützten Platz im Hafen mit 5 Beaufort, wir bleiben einen weiteren Tag in La Baule-Le Pouliguen. Von unserem Liegeplatz aus sehe ich den Kirchturm, dessen Dach ist interessant, durch fehlende Mauersteine kann man hindurchsehen. Olaf und ich besichtigen die Kirche. Ein hoher Bau, maurisch anmutende Rundbögen tragen die Decke. Die Stirnseite beherrscht eine moderne Orgel, rechts und links gibt es Seitenaltäre. Als genügend Besucher in der Kirche sind, ertönt laute, sakrale Musik aus der Konserve. Es gibt einen Beichtstuhl, die Plätze für die Büßer weisen keinerlei behagliche Aufenthaltsmöglichkeiten auf, der Beichtvater hingegen darf seinen Arm auf ein Kissen legen, dieses ist ausgebeult von unendlich viel gelauschten Beichten. Ein kurzer Weg führt uns über den Friedhof, Olaf quengelt, also gehen wir an den Strand. Eine weiße Bar im weißen Sand lädt zur Pause. Im Windschatten ist es warm, ein köstlicher Rosé erfreut den Gaumen. Im Wasser muß ein leichtbekleidetes Fotomodell, umringt von Schirmhaltern, Lampenträgern und anderen wichtigen Leuten, fröhlich plantschen.

FREITAG, 15. September 2017   (La Baule-Le Pouliguen - Le Crouesty: 47 sm)

 

Gestern weht es so, daß wir es vorzogen im sicheren Hafen zu verweilen, heute hängen die Fahnen schlaff herunter. Als wir aus der Hafenausfahrt herausmotoren, entschließt sich die Windanzeige eine 2 zu präsentieren. Trotzdem setzen wir Segel. Langsam nimmt Diva Fahrt auf. Es brist auf, ein kalter Nordwestwind bringt uns flott voran, obwohl die Sonne scheint müssen wir unsere Schottlandkleidung anziehen. Wir erinnern uns: Letztes Jahr um diese Zeit haben wir hier geschwitzt wie Galeerensträflinge. Über Land wird es dunkel, die Sonne bescheint die Strände und die dahinter wachsenden Wälder. Scharf und klar sind die Kontouren, sanft das Licht. Es ist nicht verwunderlich, daß es viele Maler in die Bretagne zog. Eigentlich wollten wir auf die Belle Ile, das bedeutet aber, der Wind hat gedreht, daß wir kreuzen müßten, bei mittlerweile 5 Windstärken kein ganz großes Vergnügen, in den Hafen von Piriac kommen wir wegen des Wasserstandes nicht mehr rein, 2 andere Häfen verwerfen wir auch. Also fahren wir nach Le Crouesty, nicht gerade meine erste Wahl, aber es gibt fußläufig einen gut sortierten Supermarkt. Der Hafenmeister im Schlauchboot weist uns einen Liegeplatz längsseits eines Schiffes aus Hamburg an.

SONNABEND, 16. September 2017   (Le Crouesty - Ile aux Moines: 9 sm)

 

Die Hamburger Flagge am Heck unseres Nachbarn ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Der Skipper lebt seit langem in der Bretagne und auf dem Schiff ist eine lustige Männercombo, aber keiner kommt aus Hamburg. Sie wollen an einen anderen Liegeplatz verholen. Langsam löst sich der ganze Verband, wir machen kurze Zeit später direkt am Steg fest, das ist gut für unseren Einkauf. Erfrischende 10 Grad zeigt das Thermometer, draußen, innen hat Olaf mithilfe der Heizung es wohlig warm gemacht. Die Sonne scheint. Es ist voll im Hafen, am Kai wimmelt es von bunten Schwerwetteranzügen, es sind Regattateilnehmer, nach und nach verläßt ein Schiff nach dem anderen den Hafen. Nach unserem beträchtlichen Einkauf machen wir uns auch auf den Weg. Wir wollen ein letztes Mal in diesem Jahr in den Golf von Morbihan, noch einmal auf die Mönchsinsel, noch einmal zu unserer Austernbar. Es ist nicht weit, es lohnt sich noch nicht einmal das Großsegel zu setzen, lediglich mit der Genua segeln wir los. Über dem Golf ist der Himmel dunkel, sehr dunkel. Noch während wir überlegen, ob es ratsam ist in den Golf hineinzufahren, bei dieser Himmelsfarbe, nimmt uns der Strom die Entscheidung ab. Mit 7 Knoten schlittern wir in den Golf. Noch bescheint die Sonne die Inseln und die Inselchen, das Wasser glänzt in verschiedenen Türkistönen, die Bäume stehen in sattem Grün vor einem fast schwarzen Himmel, die Sandbuchten blitzen weißer als weiß. Der Donner grollt und nicht weit entfernt regnet es bereits kräftig. Ich ziehe mir meinen Schwerwettereinteiler an, keinen Augenblick zu früh. Olaf fummelt sich schlechtgelaunt in sein Ölzeug. Der Himmel öffnet seine Schleusen, nicht nur unglaublich viel Regen peitscht herunter, auch Hagelkörner sind dazwischen. Das Wasser sieht aus wie ein riesengroßes Nadelkissen. Es regnet so sehr, daß ich nichts mehr sehen kann. In solchen Momenten stehe selbstverständlich ich an der Pinne, Olaf befaßt sich mit seinem Tablett: „Dein Kurs ist gut!“ Das ist schonmal nicht schlecht, ich sähe aber trotzdem gerne, wohin ich fahre. Die Sicht wird ein wenig besser, wir können die schwimmenden Anlegestege der Mönchsinsel ausmachen. Bei noch immer strömendem Regen machen wir an dem Schwimmponton fest. Wir haben eine Mahlzeit zwischen Mittag- und Abendessen. Der Himmel ist aufgerissen, die Sonne scheint, sofort ist es warm. Das ist in der Bretagne nicht ungewöhnlich, alle Wetter an einem Tag, mitunter auch 4 Jahreszeiten an nur einem Tag. Gerade als wir uns klarmachen, das Hafenpersonal mit dem Schnellboot rufen wollen, welches uns an Land bringen soll, beginnt es wieder kräftig zu regnen. Wir bleiben an Bord. Nach einem kleinen Zank ergattere ich den Tolino und kann „Bretonische Brandung“ lesen, dieser Fall von Monsieur Dupin spielt auf der Inselgruppe der Glénan.

SONNTAG, 17. September 2017  (Hafentag vor der Ile aux Moines)

 

Auch aufgebacken ist das gestrige Baguette erstaunlich gut. Zu einem ausgiebigen Sonntagsfrühstück gibt es Hafenkino: eine größere Beneteau legt vom Steg ab, wir haben ablaufendes Wasser, und da passiert es ca. 5 Meter vom Steg entfernt: das Schiff fährt sich fest. Der Skipper fuhrwerkt mit dem Bugstrahlruder hin und her, damit verschlimmert er die Sache. Die Franzosen wären aber nicht die Franzosen, würden sie über diese blöde Situation nicht lachen. Frohgelaunt stehen sie an der Reeling und trinken erstmal einen gekühlten Weißwein. Wir rufen den Hafenmeister über Funk, er möge uns ans Ufer übersetzen. Über kleine Wege, durch enge Gassen, steile, ausgetretene Steintreppen hinauf, immer Richtung Küste. Wir wollen zu unserer liebsten Austernbar. Das Wetter kann man als „nun ja“ bezeichnen, die Sonne scheint nicht, aber es regnet auch nicht. Unser Lieblingsausternwirt lehnt mit einem Freund weintrinkenderweise an seinem Motorroller. Er freut sich uns zu sehen. Wir bestellen jeder 6 Austern, dazu gibt es den obligatorischen Weißwein. Nach einer kurzen Zeit schenkt er uns nochmal nach und verabschiedet sich. Wir sollen später alles so stehen lassen, er hätte eine Verabredung. Wir haben jeder noch ein halbes Glas Weißwein als es zu regnen anfängt. Um daraus keine Schorle zu machen, suchen wir Schutz unter dem Vordach. Als der Regen aufhört, zockeln wir Richtung Hafen. An der Hafenbar steht unser Austernwirt, ihm gegenüber, der Wirt der Hafenbar, sein weintrinkender Freund von vorhin. Die schöne Hafenmaid mit ihrem schnellen Boot bringt uns zurück an den Steg. Es ist voll geworden am Anleger. Mehrere englische Schiffe haben festgemacht. Ein freundlicher Engländer erklärte mir kürzlich die Unterschiede der englischen Flaggen. Alle haben den Union Jack, einige auf weißem Grund, dieses Tuch ist den sehr hohen Marinerängen vorbehalten, auch wenn diese im Ruhestand sind. Den blauen Untergrund fahren die Mitglieder der königlichen Yachtclubs, der jämmerliche Rest schippert mit dem Union Jack auf rotem Grund. Der in die Jahre gekommene Franzose, der lediglich zum Wassertanken auf die Ile aux Moines kommt, hat auch wieder angelegt. Die späte Sonne spendet Wärme, wir sitzen im Cockpit und erfreuen uns am bunten Treiben und an einem köstlichen „Hühnchen Isabelle“.

Die Tide schiebt kräftig mit...

MONTAG, 18. September 2017  (Ile aux Moines -  Belle Ile: 16 sm)

 

Zwischen zehn und elf müssen wir uns in den wilden Strom, der um diese Zeit Richtung Biskaya fließt, einfädeln. Es gibt also nur ein Müslifrühstück, das steigert nicht die Laune meines Ehegatten. Aber die Sonne scheint, die Barometer sind gestiegen, blauer Himmel, alles paßt ansonsten. Ich finde diesen Strom, der uns mit 6 Knoten auf das Meer treibt, erschreckend. Vorbei fliegt die Insel Gavrini, auf der gibt es bedeutungsvolle Menhire, auch gegenüber, auf einer sehr kleinen Insel, stehen beeindruckende Zeugen aus Obelixtagen. Kaum ein Lüftchen will die Segel blähen, eine Zeitlang schauen wir uns das an, als Diva sich aber entschließt rückwärts zu segeln, werfen wir den Motor an. Nach einer Stunde setzt sich Wind durch, und wir haben vergnügliches Segeln. Vor dem Hafen Le Palais warten einige Schiffe, der Hafenmeister braust mit seinem Schlauchboot von einem zum anderen, Informationen gebend und einholend. Wir fahren durch das erste Hafenbecken, dieses wird an der rechten Seite von der Zitadelle Vauban bewacht, ehemals ein uneinnehmbares Bollwerk, danach Gefängnis, heute kleines Museum und großes Hotel. Durch eine kleine Fußgängerbrücke fahren wir in das hintere, langgezogene Hafenbecken. Hier weist uns der Hafenmeister einen Liegeplatz hinter einem Frachter zu, der gerade entladen wird. Der Ort ist romantisch, der Lärm nicht. Voll ist es, gegenüber liegen die Schiffe in Viererpäckchen. Auf der linken Hafenseite erinnert die Häuserzeile an Murano, pastellfarbener Anstrich, passend lackierte Fensterläden, alles überweht von morbidem Charme. Der Frachter hat seine Ladung gelöscht, wir erhoffen Ruhe. Die kleine Brücke öffnet sich und der Frachter verläßt den Hafen, das paßt so eben und eben. Ein anderer Frachter drängt sich durch die Brückenenge, auch das ist eng, eng, eng. Nun wissen wir, was uns morgen früh erwarten wird.

DIENSTAG, 19. September 2017  (Hafentag in Le Palais)

 

Gegen zehn Uhr mieten wir uns Fahrräder, elektrische. Die Insel ist viel hügeliger als ich dachte. Olaf fährt mit voller Unterstützung, seine viel zu langen Haare wehen im Fahrtwind. Bereits nach 10 Kilometern informiert die Akkuanzeige, daß ein Viertel der Leistung verbraucht ist. Nun heißt es haushalten. Wir fahren auf holprigen Schotterwegen, diese werden durch dorniges Gestrüpp begrenzt, es gibt auch Brombeerhecken, Stechginster, der sogar einige gelbe Blüten zeigt, lila Heidekraut und Farne. Mächtige Pinien tragen riesige Zapfen in rauen Mengen. An einer Weggabelung stehen die Menhire Jeanne und Jean. Die Sage erzählt, daß die beiden sich bereits vor der Hochzeit zueinander gefunden hätten und dafür von einer Hexe in steinerne Zeugen vorehelicher Sünde verwandelt wurden. Rauhe Zeiten, diese Zeiten. Einige Fahrradwege sind herrlich glatt asphaltiert, diese führen durch Weiden, Rinder zupfen sich eine Mittagsmahlzeit darauf zusammen, 2 Kälbchen tollen miteinander. Dick bewollte Schafe stehen und liegen auf der Nachbarweide. Auch uns gelüstet es nach einer Mittagsmahlzeit. Wir radeln in das Dorf Bangor. In unserem Reiseführer wird die Crèpérie „Chéz Renée“ empfohlen. Wir erquicken uns an Cidre aus bäuerlicher Herstellung, die Gallettes sind köstlich: aus dunklem Mehl, knusprig und dünn gebacken, Olafs ist gefüllt mit Schinken, Käse und Champignons, meine mit Ziegenkäse und Spinat. Wir sitzen in dem kleinen Garten auf zusammengesuchtem Gestühl, eine ordnende Hand stutzt nur sehr zurückhaltend, alles darf wachsen wie es will, überall stehen bunte Behältnisse, darin gedeihen verschiedene Pflanzen und Kräuter, der Garten verströmt eine chaotisch-liebevolle Harmonie, mich erinnert das ein wenig an die Terrasse meiner lieben Schwester Hanna. Die örtliche Kirche fällt uns praktisch vor die Füße. Ein extrem muffiger Geruch schlägt uns entgegen. Die Kacheln des Fußbodens wurden wohl entfernt, seitdem stehen die Kirchenbänke auf rauhem Beton. Gleich links hinter einem Gitter steht ein Segelschiff auf einem Tragegestell, das wird wahrscheinlich zu Ehren des heiligen St. Nikolaus (Schutzpatron der Seefahrer, Piraten und weiterer zwielichtiger Gestalten) durch das Dorf getragen. Die Stirnseite zieren verschiedene Gemälde, der gekreuzigte Jesus hängt an der Wand gegenüber. Die Fenster sind aus pastellfarbenem Glas, in Blei gefaßt. Es gibt 2 schön geschnitzte Beichtstühle. In einem steht aufgerollt ein Teppich, der andere könnte sofort bebeichtet werden. Wir radeln weiter, schnell die erstaunlich vielen Berge hinunter, energiesparend hinauf. Wunderschöne Blicke auf das sonnenbeschienene, tiefblaue Meer haben wir. Ein Hinweisschild zu einer Brauerei interessiert uns. Auf einer kleinen Anhöhe liegt eine anheimelnde Holzhütte, diese ist langgestreckt, in dem Anbau verbirgt sich die Brauerei. Wir nehmen auf der Terrasse Platz, es ist zehn vor vier, die Lokalität öffnet um vier. Auf der gegenüberliegenden Wiese erspähe ich riesige Wiesenchampignons, wir haben kein Behältnis dabei, diese Wundergabe der Natur einigermaßen wohlbehalten zum Schiff zu bringen. Mein Versuch, diese wenigstens zu fotografieren, wird von dem bellenden und zähnefletschenden Hof- und Wiesenhund jäh abgebrochen. Wieder zurück auf der Terrasse ist es kurz nach vier. Wir freuen uns über ein erfrischendes Weißbier, gebraut auf der Belle Ile, unser Blick wandert über grüne Hügel und verliert sich auf der dunkelblauen Biskaya, weiße Wölkchen und weiße Segel setzen Akzente.

Jean und Andrea

MITTWOCH, 20. September 2017  (Le Palais - Port du Crouesty :16 sm)

 

Die Tide ermöglicht mir einen Besuch auf dem örtlichen Markt, der jeden Tag stattfindet. Es gibt nicht viele Stände, aber alle bieten hohe Qualität. Ich kaufe quietschfrischen Spinat von der Insel, wenige Garnelen die das Frühstück bereichern sollen und eine halbe Lammschulter. Nach der Morgenmahlzeit erfreuen wir uns an einem ausgiebigen und sonnigen Vormittagsspaziergang. Wir laufen um das langgezogene Hafenbecken, überqueren die Brücke und beginnen einen Morgenplausch mit der Crew der „Seven Seas“ aus Kiel. Weiter erkunden wie die hinteren Gassen von Le Palais, eine enge und schiefe, ausgetretene Steintreppe bringt uns in den oberen Teil des Dorfes. Die Häuser sind hier niedriger, aus Feldsteinen gebaut. Weite Ausblicke bis zum Festland, auf der Bucht von Quiberon segeln bereits viele Schiffe mit gut gefüllten Segeln. Viertel vor vier öffnet sowohl die Schleuse als auch die Brücke, es kommt Bewegung in die auslaufwilligen Schiffe. Wir haben Backstagbries, gemächlich segeln wir Richtung Festland. Um sieben machen wir am Besuchersteg von Port du Crouesty fest.

DONNERSTAG, 21. September 2017   (Hafentag in Port du Crouesty)

 

Viel haben wir uns vorgenommen, Fahrräder mieten, auf dem Küstenweg entlanglaufen, in den Supermarkt gehen. Auf dem Weg vom Supermarkt zum Schiff fängt es an zu nieseln. Dieser bretonische Nieselregen ist noch fieser als der hamburgische. Man merkt den gar nicht, man merkt nur, daß man plötzlich feuchte Haare hat, keine verräterische Tropfenmalung auf dem Wasser. Gut durchfeuchtet erreichen wir Diva. Schnell baut Olaf unseren kleinen Wintergarten auf, diese Nieselei kann nicht lange dauern, Windfinder und die Barometer erzählen was von Sonnenschein. Doch dann wird aus dem Nieselregen ein kapitaler Wolkenbruch, auf den sich auch flugs Windfinder und die Barometer einigen. Wir bleiben also in unserem kleinen Wintergarten, lesen, schauen den ein- und auslaufenden Schiffen zu, deren Mannschaften freudlos im Ölzeug an Deck stehen, von uns schadenfroh kommentiert. Später schmore ich die Lammschulter, dazu gibt es den prächtigen Spinat, zusammen ein Fest für die Geschmackspapillen. Am späten Nachmittag hört der Regen auf, und wir machen wenigstens einen kleinen Spaziergang. Schon von weitem lockt der Kirchturm, die Eingangstür ist griechischblau gestrichen. Von der Decke hängt ein segelndes Votivschiff. Zwei kunstvoll geschnitzte Beichtstühle bedürfen der Begutachtung. Ein Beichtstuhl dient der Aufbewahrung von Musikboxen, das finden wir für eine Kirche ungewöhnlich, ein Beichtstuhl ist zwar nicht gemütlich ausgestattet, weder für Büßer noch für Bußvater, aber ansonsten in Ordnung. Am späteren Abend macht ein Schiff bei uns längsseits fest, wir haben einen nächtlichen Nachbarn.

FREITAG, 22. September 2017   (Port du Crouesty – Piriac-sur-Mer: 18 sm)

 

Wir liegen an einem absoluten Schattenplatz, der Himmel ist blau, die Sonne will bald scheinen, aber es ist kalt und das ganze Schiff ist naß. Die Tide gönnt uns einen geruhsamen Vormittag, wir gehen einkaufen, duschen und so gegen 12.oo Uhr legen wir ab. Wir kommen nicht in den Geschwindigkeitsrausch, aber wir kommen voran. Wie schön und abwechslungsreich die Küste ist, beschrieb ich bereits, weitere Belobigungen tun nicht not. Gegen vier Uhr steuern wir auf Piriac-sur-Mer zu. Der Hafenmeister empfängt uns an der Hafeneinfahrt und weist uns einen angenehmen Liegeplatz zu. Ich gehe noch schnell zu den Fischhändlern, heute soll es bei uns Fischsuppe geben. In unserem Reiseführer steht geschrieben, daß Piriac das schönste Städtchen an der bretonischen Küste ist. Ob es wahrlich das schönste ist kann ich nicht beurteilen, aber es ist zauberhaft, vor allem jetzt, an diesem sonnigen Altweibersommernachmittag. Ein sanftes Licht liegt über den Gassen, der Trubel der Hochsaison ist Vergangenheit, die Hitze des Sommers ist erträglichen Temperaturen gewichen (diese Aussage gilt nicht für den vergangenen Sommer), es wird spät hell und früh dunkel, es ist „Silberlöckchenzeit“ Keine Familien mit Kindern lärmen durch die Straßen, geruhsam schlendern Paare mit grauen oder keinen Haaren. Sie sitzen in den Cafés und haben oft einen kleinen Hund auf dem Schoß, den beide tätscheln.

SONNABEND, 23. September 2017   (Piriac-sur-Mer – Arzal: 16 sm)

 

Segeln in Tidengewässern entbindet oft von Entscheidungen. Wir werden erst wieder am Nachmittag genug Wasser haben, um aus dem Hafen auslaufen zu können. Heute ist Markt in Piriac, und ich habe Zeit, da paßt doch eines zum anderen. Viele Märkte hier bedienen weit mehr als den Wunsch nach Obst, Gemüse und weiteren Lebensmitteln. Hier ist ein beträchtlicher Teil für Kleidung, und zwar nicht irgendwelchen Billokram, reserviert, weiterhin bieten viele Händler Haushaltswaren an, auch Kleinmöbel warten auf ein neues Heim. Unentschlossen stehe ich vor dem Stand eines Geflügelhändlers, alle Tiere erfreuten sich bis vor kurzem eines artgerechten, glücklichen Lebens, nun liegen sie hier in Reih‘ und Glied, das vollgefiederte Köpfchen wie zum Schlafe unter den nacktgerupften Flügel gesteckt. Das fördert nicht meine Kaufbereitschaft, ich nehme einen zauberhaften, kleinen Wirsingkohl. Olaf und ich gehen auf die Mole, wir schauen gerne nochmal aufs Meer, bevor wir rausfahren. Danach trinken wir einen Roséwein in der Bar, welche wir in gutem Gedächtnis hatten. Um vier zeigt der Pegel 2,60 Meter an, wir fahren los. Die Sonne scheint richtig sommerlich warm, der Wind weht Backstagbris, ein wahrscheinlich letztes Mal in diesem Jahr segeln wir textilfrei, wenn auch mit kleiner Gänsehaut. Wir peilen die 20-Uhr-Schleuse in die Vilaine an, das sollte zu schaffen sein. Es ist erst kurz nach 7, von weitem erspähen wir das grüne Licht, welches die Einfahrt in die Schleuse freigibt. An Backbord, Divas Schokoladenseite, machen wir fest. Wir schlagen das Großsegel ab und legen es an Deck zusammen. Das geht besser als erwartet. Der uns bislang unbekannte Schleusenmeister ist empfänglich für einen Plausch, auf englisch. Interessante Tipps nehmen wir mit aus der Schleusenkammer. Gleich hinter der Schleuse limks ist die Marina von Arzal, hier werden wir diese Nacht verbringen.

SONNTAG, 24. September 2017 (Hafentag in Arzal)

 

In unserem Reiseführer wird Arzal nicht erwähnt, bei Wikipedia können wir lesen, daß knapp 2000 Menschen hier leben und die Kirche sehenswert sei, weiterhin wird die Schleuse mit dem verbundenen Sperrwerk erwähnt, die Schleuse kennen wir mittlerweile sehr gut. Das Mädchen im Hafenmeisterbüro ist zauberhaft, Olaf balzt wir blöd. Sie stellt uns elektrische Fahrräder in Aussicht, die wir leihen könnten, diese seien im Liegegeld inbegriffen. Nach dem Frühmi (unsere Bezeichnung für eine Mahlzeit zwischen Frühstück und Mittagessen) wollen wir dieses interessante Angebot nutzen. Leider ist dies nicht möglich, gleich sei Feierabend und über Nacht würden sie die Fahrräder nicht weggeben. Also laufen wir, die Kirche finden wir nicht, der Ort ist überhaupt nicht interessant, es gibt eine Ferienhaussiedlung und eine Residenz. Am Hafen trinken wir ein wohlschmeckendes Bier und laufen danach zurück zum Hafen. An der Steganlage links liegt ein kleineres Schiff, auf dem Vorschiff balgen sich entsetzlich kläffend 4 Kleinsthunde, undefinierbarer Rasse. Madame raucht im Cockpit Zigaretten mit Zigarettenspitze, auf dem Kopf trägt sie etwas, was aussieht, als hätte sie einen verblichenen Liebling in eine Perücke umarbeiten lassen. Sie ruft die balgenden Hunde zur Ordnung, mit einer Stimme! Der liebe Gott hatte Madame wohl anfangs mit einem anderen Geschlecht ausgestattet. Nun sitzen wir im Cockpit und finden den Hafen von Arzal gar nicht so schlecht. Wir haben einen schönen Ausblick über die ankernden und an Moorintonnen liegenden Schiffe auf der Vilaine.

MONTAG, 25. September 2017  (Arzal - La Roche Bernard: 5 sm)

 

Was sind wir froh, daß wir gestern die Segel abgenommen und verstaut haben. Hat das heue Nacht geregnet! Jetzt ist die Luft klar und sauber, die Sonne möchte sich durch die leichte Wolkendecke kämpfen. Nach dem Frühstück nutzen wir die Waschmaschine. Die Sonne hat den Kampf noch nicht gewonnen, ich nehme also Abstand vom Aufhängen der Wäsche am Seezaun. Gegen Mittag binden wir los und motoren die Vilaine hinauf Richtung La Roche Bernard. Sattgrün sind die Wiesen, die Farne, der ganze Uferbewuchs. Der nahende Herbst hat seinen Tuschkasten aufgemacht und den einen und den anderen Baum gefärbt. Bereits nach einer Stunde sind wir in La Roche Bernard. Die Steganlage ist gut belegt, wir finden den letzten freien Besucherplatz am Kopfende, ein drahtiger Engländer nimmt unsere Leinen an. Noch immer traue ich mich nicht die Wäsche aufzuhängen, das ist auch gut so, bei unserem Einkaufsbummel kommen wir in eine Husche, die wir im kleinen Supermarkt abwettern. Morgen werden wir den größeren Einkauf tätigen.

DIENSTAG, 26. September 2017 (Hafentag in La Roche Bernard)

 

Es war verdammt kalt, als ich ins Bett ging, sehr lange brauchte ich, bis meine Koje auf Schlaftemperatur gewärmt war, auch heute morgen, beim Aufwachen, scheint es nicht wärmer. Ich höre Olaf in der Pantry hantieren, und fluchen. Der Elektrizitätsfluß scheint unterbrochen, alle 6 Stunden muß das Knöpfchen an der Säule gedrückt werden, dann fließt der begehrte Strom, das Knöpfchen will wohl wieder gedrückt werden. Olaf kommt von dieser Mission euphorisch zurück. Es liegt Nebel auf der Vilaine, Schwäne schwimmen darin, die verfallenen Pfeiler der alten Brücke sind umwabert von Schwaden, nach Westen sieht man nur noch grau. Neugierig, aber unwillig schäle ich mich aus meiner warmen Bettwäsche. Es lohnt sich. Ein herbstlicher Zauber liegt auf dem Fluß, die Sonne versucht die Nebelschwaden zu vertreiben, sie schafft es nicht gleich. Segelschiffe liegen im Nebel, nur die Masten kann man erahnen. Jetzt bekomme ich meinen Kaffee und kann weiter im Cockpit stehen und diesem Schauspiel der Natur zuschauen. Die Sonne setzt sich durch und langsam löst sich der Nebel auf. Olaf spannt 2 Wäscheleinen und ich hänge sie voll. Beim späteren Frühstück erfreuen uns Kinder verschiedener Altersklassen, vergnügt sitzen oder stehen sie in passenden Booten, die bunten Segel wollen sich ob der Windstille nicht aufplustern, aber das lehrt Geduld und Gleichgewichtssinn. 2 Schwäne fordern fauchend einen Teil unseres Frühstücksbaguettes, ein Schwan frißt mir aus der Hand, der andere scheint zornig, ist dennoch ängstlich. Wir verfüttern ein halbes Baguette, allerdings eines von gestern. In dieser ganzen Idylle kommt ein schrottiger Alukahn des Flusses, es sieht so aus, als würde er bei uns längsseits gehen wollen. Dann fährt er doch wenige Meter weiter und macht an dem Schiff vor uns fest, anscheinend haben uns die aufgehängten Pullover und Schlüpfer vor einem Nachbarn bewahrt. Wir müssen unsere Diva auf den Winter vorbereiten. Den ersten Teil der Bilgen waschen und trocknen wir. In der Bilge am Kielkasten stehen zwei Pfützchen Wasser, bei mir kommt sofort Panik auf, aber Olaf beruhigt, das sei kein Grund zur Besorgnis, das wird Schwitzwasser sein. Ohne rechte Überzeugung hoffe ich das auch. Olaf schläft im Cockpit, ich mache einen Spaziergang durch die lichten Wälder zum Gästeanleger im Fluß, bei dieser feuchten Witterung müßten doch Pilze wachsen. Außer einem überalterten Semmelpilz will mir nichts ins Körbchen gelangen, und den lasse ich stehen. Die Eßkastanien sind reif, in grünen, pieksigen Hüllen liegen sie zahlreich am Boden. Ich überlege, diese mit Fleisch langsam zu schmoren. Olaf kann sich für diese Idee erwärmen.

MITTWOCH, 27. September 2017 (La Roche Bernard – Rédon: 17 sm)

 

„Nebel über der Vilaine“, gäbe es dieses Buch, ich würde es kaufen. Heute morgen ist es so neblig, daß man nicht einmal das gegenüberliegende Ufer sehen kann. Die Sonne findet einen Weg und teilt die Schwaden. Auf dem grünen Hügel gegenüber stehen Esel, es sind tatsächlich Esel, ich habe extra das Fernglas zwecks Bestimmung zur Hilfe genommen, schließlich will ich hier keinen Mumpitz erzählen. Das Schiff neben uns liegt offensichtlich seit einiger Zeit am Steg, zahlreiche, kunstvolle Spinnenweben, schwer mit Tautropfen behängt und nun von der Sonne beschienen, zeugen davon. Als die Sicht es erlaubt fahren wir los. Hier, bei Roche Bernard, sind die Ufer felsig, danach gibt es Wiesen, Weiden, Bäume, Wäldchen. Bereits eine gute halbe Stunde später binden wir am Steg von Foleux an. Wir wollen uns vergewissern, daß die Werft auch wirklich unsere Diva am 3. Oktober aus dem Wasser holt. Der Neubau der Sanitäranlagen, der im zeitigen Frühjahr begonnen wurde, ist noch immer nicht abgeschlossen. Aber wenn diese Sanitäranlagen mal fertig sein sollten, das wären die schönsten am Fluß. Lange können wir uns nicht aufhalten, wir müssen die 14-Uhr-Brücke haben. Redon ist unser heutiges Ziel, diese Stadt soll eine zweite Chance bekommen. Ganz knapp, und unter Nichtbeachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung, schaffen wir es durch die geöffnete Brücke hindurchzufahren. Danach liegt ein wunderschönes Stück Flußfahrt vor uns. Der Hafen von Redon ist komplett bewachsen mit Entengrütze, sämtliche Populationen europäischer Enten könnten sich hier fettfressen. Es gibt einige freie Plätze, freilich nicht gekennzeichnet. Wir wählen den, an dem keine Leinen liegen. Kaum haben wir festgemacht, kommt tutend ein Motorboot namens „Rosie“ angeschifft. Wir liegen auf Rosies Platz. Schon haben Olaf und ich keine Lust mehr und würden am liebsten Redon verlassen, zu gut kennen wir dieses Spiel, zu unangenehm ist uns das in Erinnerung. Ein im Hafen beheimateter Bretone verrät, der Platz 47 sei frei. Ob das ganz sicher sei, frage ich. „Bien sur!“ist die Antwort. Also belegen wir den Platz Nummer siebenundvierzig. Eine mittlere Ortsbesichtigung steht an. Die Kirche besichtigten wir bereits beim ersten Besuch, abgehakt. Der Charme Redons erschließt sich nicht. Es gibt einige Straßen wo hübsche Häuser stehen, die allerdings dringend eines neuen Anstrichs bedürfen, mindestens. Fachwerkhäuser bestechen, einige Häuser sind mit Feldsteinen verklinkert. Blumenkübel bieten Buntes, auf der Brücke wehen gekreuzte Flaggen. 3 Linien des berühmten Jakobsweges vereinigen sich hier um danach weiter nach Süden zu führen, zahlreiche Flußschiffe liegen hier, diese kann man mieten. Alles schön, alles nett, wir werden aber trotzdem morgen diese Stadt wieder verlassen. Abends gewinne ich beim Schach. Die Rechtmäßigkeit ist grenzwertig. Olaf will meine Dame schlagen, ich drohe mit widerwärtigen Vergeltungsmaßahmen. Daraufhin bricht er das Spiel ab, so habe ich gewonnen!

DONNERSTAG, 28. September 2017 (Redon - La-Roche-Bernard: 17 sm)

 

Irgendwann am späteren Abend tutet ein Schiff ganz fürchterlich im Hafen. Ich gehe davon aus, daß es uns gilt, deswegen mache ich weder Licht noch stehe ich auf, nicht einmal durch die Gardinen zu luschern gestatte ich mir. Aber dann ist es ruhig, einer erholsamen Nachtruhe steht nichts mehr im Wege. Der Morgen ist grau, feucht und neblig. Gegen zehn Uhr fahren wir los aus diesem lauten Hafen, mit diesen verwahrlosten Sanitäranlagen. Es weht ein frischer Wind, Wolken treiben am Himmel, es nieselt nicht mehr. Ich mag diese Fahrten auf dem Fluß, wechselnde Landschaften, zufriedene Kühe, weiße, elegante Schwäne, bewegungslose Reiher, Angler, immer wieder Angler, verfallene Gebäude, luxuriöse Landsitze, kleine Ferienhäuser, Trauerweiden, die Äste wie lange Haare ins Wasser hängend. An einem winzigen Steg, an dem man höchstens 24 Stunden anlegen darf, binden wir fest, wir genießen die Ruhe und ein kleines, spätes Frühstück. Wir wollen nach La-Roche-Bernard. Gegen 15.00 Uhr fahre ich den Anleger, Olaf macht das Frettchen und ist ganz hübsch am Springen, aber wenig später liegen wir an einem perfekten Liegeplatz. Wasser, Strom, alles da und einen weiten Ausblick über die Vilaine haben wir noch dazu.

FREITAG, 29. September 2017 (Hafentag in La-Roche-Bernard)

 

Eigentlich wollten wir heute die Betten abziehen und waschen. Es gibt hier einen Waschsalon mit hochwertigen Mielegeräten. Aber ich traue dem Wetter nicht und ich soll recht behalten. Es bleibt auch so noch genug zu tun, wir nähern uns dem Sliptermin am 3. Oktober schneller als mir lieb ist. Wir nehmen sämtliche Bodenbretter hoch und waschen die Bilgen gründlich, danach gehen wir einkaufen beim Carrefour, beim Schlachter und bei der netten Fischhändlerin kaufen wir Muscheln für das Abendessen. Die Muscheln sind ungeputzt und deswegen etwas aufwändiger in der Vorbereitung, aber sie sind frisch, frisch, frisch. Zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten ergeben sie ein formidables Abendessen.

SONNABEND, 30. September 2017   (La-Roche-Bernard - Port Foleux: 7 sm)

 

Kein Nebel, kein Regen, blauer Himmel, es verspricht ein schöner Tag zu werden. Olaf kauft schnell Baguette und bei seiner Lieblingsschlachtereifachverkäuferin von dieser unglaublich guten Paté und einige Scheiben des köstlichen Schinkens, dann verlassen wir für dieses Jahr La-Roche-Bernard. Frühstücken wollen wir geruhsam in Port Foleux. Unsere Betten sind rasch abgezogen, die müffelnden Handtücher dazu, das ergibt 2 Maschinen Wäsche. Olaf setzt mich elegant an der Uferseite ab, wo es Duschmöglichkeiten, ein Restaurant und auch die Waschmaschine gibt. Ich schleppe den riesigen Wäschesack Richtung Sanitäranlagen, mir schwant nichts Gutes. Leider berechtigt. Vor der Waschmaschine sind fröhlich ins Gespräch vertieft 3 Frauen und 1 Mann, Engländer. „Oh, Liebes, hier ist das Ende der Schlange!“ „Liebling, Du bist an 5. Stelle!“ „So in 3 Stunden könntest Du Deine Wäsche waschen, Süßherz!“ Die reden tatsächlich so. Ich stelle unsere blaue Ikeatasche an das Ende der Reihe und lasse mich von Olaf und Diva abholen. Wir binden an unserem Liegeplatz fest und frühstücken ausgiebig, Zeit haben wir genug. Zu gegebener Stunde rudert Olaf mit einer Krücke von Ruderboot, die man sich hier einkaufswagenmäßig ausleihen kann, auf die andere Seite. Glücklich kann er die eine Hälfte in die Waschung geben, zur Belohnung gönnt er sich ein Bier im Gartenrestaurant, auch weil sich die Überfahrt nicht lohnt, diese Maschinen haben nach einer guten halben Stunde ausgewaschen. Sehr erstaunt muß mein Süßer feststellen, daß nach einer knappen halben Stunde (Olaf braucht nicht lange für das Leeren eines kleinen Bieres) unsere Wäsche in den Tumbler (den ich nicht benutze, ich liebe es, wenn die Wäsche an der frischen Luft trocknet) gelegt wurde, während die restliche Schmutzwäsche in der blauen Ikeatüte noch vor der Maschine steht. Erbost nimmt Olaf sowohl die gewaschene als auch die schmutzige Wäsche mit, er kann es aber nicht unterlassen, die Stoptaste an der Waschmaschine zu drücken. Ich bin mit dieser Erziehungsmethode nicht einverstanden, kann es aber nicht verhindern, da ich mit anderen Tätigkeiten an Bord beschäftigt bin. Schlußendlich schaffen wir es 3 Maschinen Wäsche zu reinigen, einen Teil können wir auf der Leine trocknen, der Wetterbericht prophezeit sehr feuchtes Wetter, es steht also der beträchtliche Rest im Cockpit, auf die Leine und gutes Wetter morgen wartend. Nach dem Essen sitzen wir im Cockpit um bei einem Wein den Tag ausklingen zu lassen. Neben uns liegt ein Boot von etwa 9 Metern Länge. 2 junge, hübsche Frauen sind an Bord, allein. Das ist auch so gewollt, die brauchen keine Männer. Olaf meint, die kommen von Lesbos. Er freut sich über sein Wortspiel.

Es ist so um die Geisterstunde, Olaf schläft bereits tief, ich hatte noch gelesen und nun bin ich mit Dir, liebes Logbuch, beschäftigt, da klopft es an unser Schiff. Carsten, der Zahnarzt aus Schwerin mit 2 jungen Recken grüßt aus einem dieser Einkaufsruderboote. Sie würden gerne noch ein Bier trinken, verschmähen allerdings das alkoholfreie von Olaf, anderes habe ich nicht, den Rotwein wollen sie nicht. Wir verabreden uns für den nächsten Tag. Schade.

Altweibersommer

SONNTAG, 1. September 2017  (Port Foleux)

 

Der feine, kaum wahrnehmbare Nieselregen taucht die Landschaft in grau, hellgrau, mittelgrau, dunkelgrau. Das Wäschetrocknen draußen können wir streichen, Olaf spannt also Leinen unter Deck, genauso wie in schottischen Zeiten, das trägt nicht zur Gemütlichkeit bei. Wir räumen schon mal unsere Sachen zusammen, ewig hat man einen feuchten Lappen im Genick, das trägt nicht zur Fröhlichkeit bei, die Stimmung ist leicht gereizt.

 

 

MONTAG, 2. Oktober 2017      nur noch heute und morgen und ein bißchen übermorgen….

 

Auch dieser Morgen besticht durch feinen Regen, den man kaum spürt. Langsam wird der nasse Wäschesack zum Problem, der Wetterbericht verspricht zwar um die Mittagszeit trockene Phasen, aber ich glaube dem nicht. Olaf und ich nehmen uns ein Ruderboot und paddeln zum anderen Ufer, wo es Waschmaschinen, Wäschetrockener und auch das Restaurant gibt. Gerade als wir mit unserer trockenen, aber entsetzlich riechenden Wäsche wieder zur Diva wollen, fährt das schöne Schiff von Carsten an uns vorbei, freundlich winkt die Mannschaft. Bedauerlich, wir fanden keine Zeit uns zu unterhalten.

Dienstag, 3.Oktober 2017   (letzter Tag in Port Foleux)

 

Schon früh sind wir auf den Beinen, um elf Uhr kommt unsere Diva aus dem Wasser. Olaf geht zu Renond, den Werftmeister. Es klopft ans Schiff. 2 französische Zöllner verlangen unsere Schiffspapiere. Ich teile denen mit, daß wir nicht viel Zeit für Spielereien haben, suche und finde sofort unsere Mappe mit den Papieren. Die Zöllner sind beeindruckt von der in der Mappe herrschenden Ordnung und dem großen Foto von Diva unter Blister auf der Vorderseite. Nur mit kleiner Verspätung wird Diva aus dem Wasser gehoben, wenig später steht sie an Land, mittlerweile in netter Gesellschaft von Ina, Pablo, Rasmus, Aramis und Quinta aus Düsseldorf.

 

 

MITTWOCH, 4. Oktober 2017   (Port Foleux-Nantes-Madrid-Hamburg)

 

Es ist schwarze Nacht als uns die „kleine Nachtmusik“ weckt. Draußen haben wir 6 Grad, allerdings über Null, drinnen wenig behagliche 10 Grad. Pünktlich zur verabredeten Zeit hupt unser Taxifahrer/Bestattungsunternehmer. Ich sitze hinten, und das ist sehr gut so. Der Mann fährt, als wenn er sein erstes Gewerbe liebend gern mit dem zweiten verbinden würde. Der Flug ist angenehm. Wir fliegen nach Madrid, danach von Madrid nach Hamburg. Auf der zweiten Strecke überfliegen wir die Bretagne, wir erkennen den Golf von Morbihan, die Mündungen der Vilaine und der Charente, die vorgelagerten Inseln. Wehmütig blicken wir hinab. Es war traumhaft in der Bretagne, die Landschaft ist abwechslungsreich und einmalig, aber das macht es nicht allein aus. Die Menschen verzaubern: Die Bretonen sind freundlich, hilfsbereit, höflich, lustig, zuvorkommend, stur und sehr stolz. Der Spruch, der gerne auf T-Shirts gedruckt wird, sagt eigentlich alles: „Ich bin nicht perfekt, aber ich bin Bretone!“ Mir werden die bunten, duftenden Märkte fehlen, die fröhlichen Verkäufer, die Köstlichkeiten, welche die französische Küche breit hält, die Patés, die Käse, die Schinken, die Weine, die Meeresfrüchte, die Artischocken, die Gallettes, die Würste und natürlich die Baguettes. Es ist mir unbegreiflich, daß es himmelweite Unterschiede geben kann bei einem Gebäck, welches aus wenig mehr als Hefe, Mehl und Wasser besteht, aber es ist so: das schlechteste Baguette hier ist immer noch um Längen besser als das beste Baguette im Hamburg. Adieu! Au revoir! Wir freuen uns auf nächstes Jahr!